"Bild"-Kolumne Alice Schwarzer kommentiert Kachelmann-Prozess

Am Montag beginnt der Prozess gegen Jörg Kachelmann wegen Vergewaltigung. Alice Schwarzer wird das Verfahren in der "Bild"-Zeitung kommentieren. Die Frauenrechtlerin will damit garantieren, dass die Sicht des mutmaßlichen Opfers ernst genommen werde.

"Emma"-Gründerin Alice Schwarzer: "Etwas selber erleben"
REUTERS

"Emma"-Gründerin Alice Schwarzer: "Etwas selber erleben"


Berlin - Alice Schwarzer will ab Montag in der Causa Kachelmann mitmischen: In ihrem Blog schreibt sie, es sei ihr besonders wichtig, dass in einem tagesaktuellen, meinungsprägenden Blatt auch die Sicht des mutmaßlichen Opfers ernst genommen werde. "Andere Leitmedien der Republik" hätten sich klar auf die Seite Jörg Kachelmanns geschlagen.

"Hier verhandelt eine ganze Nation anlässlich dieses einen Prozesses über die Frage: Ist sexuelle Gewalt in Beziehungen Privatsache? Oder ist sie ein Verbrechen?", schreibt die Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma". Deshalb werde sie "in Mannheim dabei sein und einige der Verhandlungen im Saal 1 des Landgerichtes mitverfolgen". Manchmal müsse "man etwas selber erleben und darf sich nicht nur mit Informationen aus zweiter Hand begnügen", so Schwarzer.

Kachelmanns Rechtsanwalt Ralf Höcker reagierte erbost: "Frau Schwarzer weiß also schon jetzt, wie die deutschen Medien über den Fall Kachelmann berichten werden, nämlich zu seinen Gunsten. Sie beweist damit seherische Qualitäten und rechtfertigt mit ihrer Unterstellung kurzerhand ihre eigene voreingenommene Berichterstattung über künftige Ereignisse."

Der Sprecher des Medienunternehmens Axel Springer, Tobias Fröhlich, bestätigte das Engagement Schwarzers. Demnach will die 67-Jährige den am Montag beginnenden Vergewaltigungsprozess am Landgericht Mannheim beobachten und jede Woche in "Bild" ein Resümee ziehen.

Fröhlich betonte, Schwarzers Einsatz hänge nicht mit der Schadensersatzforderung Kachelmanns gegen die "Bild"-Zeitung in Höhe von rund zwei Millionen Euro zusammen. Der 52-Jährige sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt; die Zeitung weist das zurück.

Kachelmann wird beschuldigt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der Schweizer hat die Vorwürfe stets bestritten. Nach der Terminliste für die Hauptverhandlung soll das mutmaßliche Opfer erst am neunten Verhandlungstag, dem 13. Oktober, vernommen werden. Der letzte planmäßige Verhandlungstermin ist für den 27. Oktober angesetzt.

"Ob die drei Berufsrichter und zwei LaienrichterInnen allerdings je die Wahrheit herausfinden werden, das ist keinesfalls garantiert. Noch steht Aussage gegen Aussage. Nur noch nicht bekannte Fakten könnten wohl die Waagschale der Justitia zugunsten Kachelmanns senken - oder zugunsten der Ex-Freundin", schreibt Schwarzer auf ihrer Internetseite.

jjc

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