Gerichtsentscheidung Bill Cosby wird wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt

Der US-Entertainer Bill Cosby muss sich wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten. Es gebe genügend Beweise, entschied eine Richterin.

Bill Cosby
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Bill Cosby wird wegen der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs der Prozess gemacht. Das hat Richterin Elizabeth McHugh bei einer rund dreistündigen vorbereitenden Anhörung in einem Gericht in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania entschieden. "Dieser Fall wird weitergehen", sagte sie.

Es gebe genügend Anhaltspunkte und Beweise für eine formelle Anklage gegen den US-Entertainer, begründete McHugh ihre Entscheidung. Den nächsten Gerichtstermin setzte sie vorläufig für den 20. Juli an. Cosby war erstmals seit Bekanntwerden der Vorwürfe öffentlich vor Gericht erschienen, äußerte sich aber bislang nicht zu den Anschuldigungen.

Es geht um einen Fall aus dem Jahr 2004: Eine frühere Universitätsangestellte wirft dem 78-Jährigen vor, ihr damals Tabletten verabreicht und sie dann in seinem Haus sexuell belästigt zu haben. Die Frau erschien nicht zur aktuellen Anhörung.

Der Übergriff soll laut Bezirksstaatsanwalt Kevin Steele im Haus des Schauspielers bei Philadelphia stattgefunden haben. Die Frau habe Cosby damals als "Mentor und Freund" vertraut.

"Das muss gestoppt werden"

Nach Aussagen der Klägerin gab Cosby ihr 2004 "blaue Pillen" und versicherte auf Nachfrage, diese seien pflanzlich. Etwa eine halbe Stunde später habe sich die junge Frau, die auch Wein getrunken hatte, schlecht gefühlt, ihr Sehvermögen sei gestört gewesen und sie habe kaum sprechen können.

Cosby hat gestanden, der Frau eine Pille gegeben zu haben. Er gibt aber an, der Geschlechtsverkehr habe in gegenseitigem Einvernehmen stattgefunden.

Seine Anwälte versuchten bis zuletzt, einen Prozess zu verhindern. Bei den Tabletten habe es sich um simple Beruhigungsmittel gehandelt, die in jeder Drogerie in den USA frei erhältlich seien, sagte Verteidiger Brian McMonagle. Die Frau habe sich außerdem nicht gegen Cosbys Annäherungen gewehrt. Zudem beruhe der ganze Fall auf Aussagen der Beteiligten, die viele Jahre alt seien.

"Niemand - nicht Bill Cosby und auch niemand anderes - sollte unter diesen Bedingungen vor ein amerikanisches Gericht zitiert werden", sagte McMonagle. "Das muss gestoppt werden." Die Staatsanwaltschaft wies die Aussagen der Verteidigung zurück und beharrte darauf, dass es ausreichend Beweise für einen Prozess gebe.

Außergerichtliche Einigung vor zehn Jahren

2006 hatten sich beide Seiten schon einmal außergerichtlich geeinigt, dann rollte Steele den Fall 2015 jedoch noch einmal auf. Die frühere Universitätsangestellte ist inzwischen 43 Jahre alt und lebt wieder in ihrer kanadischen Heimat. Cosby stimmt einer Millionenkaution zu und musste daher nicht in Haft.

Insgesamt werfen mehr als 50 Frauen Cosby sexuellen Missbrauch vor. Die mutmaßlichen Fälle liegen teils vier Jahrzehnte zurück. Dutzende Frauen haben gegen Cosby Zivilverfahren angestrengt. Doch der Fall in Pennsylvania ist bislang das einzige Strafverfahren. Bei einer Verurteilung drohen dem Schauspieler zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe von 25.000 Dollar.

wit/dpa/AP/AFP

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
h.hass 24.05.2016
1.
Ich halte jede Wette, dass jeder andere, der mit solchen Vorwürfen konfrontiert wäre, in den USA schon seit Monaten in U-Haft säße. Der mächtige Mister Cosby mit seinen Top-Anwälten hat da natürlich ein anderes Standing.
brotherandrew 24.05.2016
2. In Deutschland ...
... wäre die Tat verjährt. Das mutmaßliche Opfer hat 2006 wohl erhebliche finanzielle Schadensersatzzahlungen von Cosby bekommen und sich im Gegenzug verpflichtet, nicht strafrechtlich gegen ihn vorzugehen. Aber das scheint hier interessanterweise nicht mehr von Bedeutung zu sein. Es scheint so, als würde Cosby seine Vergangenheit einholen.
Bayrischer Michel 24.05.2016
3. Klage zugelassen
Bei Personen, die derart im Licht der Öffentlichkeit stehen ist der Ruf schon längst beim Teufel, haben seine Gegner längst gesiegt, bevor die Anklage erhoben wird. Ein förmlicher Prozess, das wissen die, die ihn hassen, ist gar nicht mehr nötig. Wenn er weißer Hautfarbe wäre, wäre er längst verurteilt worden. Es gibt Vorwürfe, gegen die ein prominenter Mann sich schlechterdings nicht erfolgreich verteidigen kann.
helmut.alt 24.05.2016
4.
Für mich nicht nachvollziehbar, dass viele Missbrauchsfälle 40 Jahre zurück liegen sollen und erst jetzt vor Gericht kommen. Eine so lange Leitung für eine Anklage kann man doch nicht haben und wie will man als Klägerin Beweise antreten? Es gilt doch immer noch in dubio pro reo.
janne2109 24.05.2016
5. was?
Zitat von h.hassIch halte jede Wette, dass jeder andere, der mit solchen Vorwürfen konfrontiert wäre, in den USA schon seit Monaten in U-Haft säße. Der mächtige Mister Cosby mit seinen Top-Anwälten hat da natürlich ein anderes Standing.
was wissen Sie denn genau? Nichts. Ich finde es sehr fragwürdig, dass sich die Frau mit ihm finanziell geeinigt hatte und dann den Fall noch einmal aufrollen läßt. Mag alles so gewesen sein aber diese Art und Weise dürfte nicht erlaubt sein. Zu den anderen Fällen- warum haben die Damen nicht schon eher etwas gesagt? 49 Jahre sind eine verdammt lange Zeit um zu überlegen.
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