Prozess verzögert Nackter Protest gegen Bill Cosby

Im US-Bundesstaat Pennsylvania wird erneut über Missbrauchsvorwürfe gegen Bill Cosby verhandelt. Der Prozess steht im Zeichen der #MeToo-Debatte: Dem Entertainer macht nicht nur die Staatsanwaltschaft Vorwürfe.

Frauenprotest am Rande des Prozesses
AFP

Frauenprotest am Rande des Prozesses


Der Beginn des neu aufgelegten Strafprozesses gegen US-Entertainer Bill Cosby hat sich herausgezögert. Ursprünglich hatten am Montagmorgen an einem Gericht in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania Anklage und Verteidigung ihre Eröffnungserklärungen abgeben wollen. Der Richter entschied jedoch, sich zunächst mit einem Einwand der Verteidigung zum Zweifel an der Unabhängigkeit eines Jurors zu beschäftigen.

Zuvor hatte sich eine halbnackte Frau dem 80-jährigen Cosby auf dem Weg zum Gericht entgegengestellt - und ihm die Worte "Mister Cosby, Vergewaltiger" entgegengeschrien. Das Wort "Vergewaltiger" (Rapist) hatte sie sich auch in roter Farbe auf den nackten Oberkörper geschrieben. Kurz darauf wurde sie von der Polizei überwältigt, festgenommen und abgeführt. Cosby musste umkehren und warten, bis sich die Lage beruhigt hatte.

Laut Staatsanwaltschaft des Montgomery County handelt es sich bei der Demonstrantin um eine 39-jährige Frau aus dem US-Bundesstaat New Jersey. Ihr werde Ruhestörung vorgeworfen, bei Verurteilung drohe ihr eine Geldstrafe.

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Prozess in Pennsylvania: Der Fall Cosby

Zum Strafprozess in Philadelphias Vorort Norristown, das nicht weit entfernt von Cosbys Wohnhaus liegt, versammelte sich auch eine kleine Gruppe von Cosby-Gegnern und -Unterstützern. Auf Schildern und mit Rufen forderten sie Gerechtigkeit für Klägerin Andrea Constand - beziehungsweise für Cosby.

Cosby zahlte mutmaßlichem Opfer 3,38 Millionen Dollar

Bei einer Verurteilung droht dem Entertainer eine lange Haftstrafe. Auch in der Neuauflage des Prozesses geht es um die Frage, ob Cosby die Klägerin Constand an einem Abend im Jahr 2004 sexuell missbraucht hat. Der Schauspieler, der in den Achtzigerjahren mit der "Bill Cosby Show" weltberühmt geworden war, weist die Anschuldigungen zurück. (Lesen Sie hier die Hintergründe: Déjà-vu im Gerichtssaal.)

Laut Anklage hat er seinem mutmaßlichen Missbrauchsopfer vor zwölf Jahren im Zuge einer außergerichtlichen Einigung 3,38 Millionen Dollar gezahlt. Diese Summe nannte die Staatsanwaltschaft beim Auftakt des neuen Prozesses, und zwar offenbar um der Verteidigung zuvorzukommen. Cosbys neuer Anwalt Tom Mesereau hatte die Zahl anführen wollen, um Constant als geldgierig darzustellen. Staatsanwalt Kevin Steele betonte aber, dass seine Behörde aus eigenen Stücken den Fall wieder aufgerollt habe - Constant habe dies nicht verlangt.

Bereits vor einigen Tagen hatte Cosbys Verteidigung per Antrag darum gebeten, einen Juror seines Postens zu entheben, der den Entertainer vor Jury-Kollegen als schuldig bezeichnet haben soll. "Dieser Einwand veranlasst das Gericht, sofort zu handeln", sagte Richter Steven O'Neill. "Ich beschütze das Wesen dieses Prozesses und stelle sicher, dass er fair und unabhängig ablaufen kann."

Zwölf Juroren waren in der vergangenen Woche ausgesucht worden, sind aber noch nicht eingeschworen. Nun sollten die Beteiligten befragt werden. "Wir lassen das jetzt erst mal zu und schauen dann, wie wir weiter vorgehen können", sagte O'Neill. Cosby stimmte dem zu. Wann der Prozess starten kann, ist jedoch unklar.

Bill Cosby
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Bill Cosby

Ein erster Prozess war vor rund zehn Monaten geplatzt, weil die Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht auf ein Urteil hatte einigen können. Für den zweiten Prozess war nun eine neue Jury ausgesucht worden, außerdem hat Cosby neue Verteidiger.

apr/dpa



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