Verfahren wegen sexueller Nötigung Cosby-Prozess ist geplatzt

Der Strafprozess gegen den US-Entertainer Bill Cosby wegen sexueller Nötigung ist ergebnislos geendet. Die Staatsanwälte wollen den Fall neu aufrollen.

Bill Cosby beim Verlassen des Gerichts in Norristown, Pennsylvania
REUTERS

Bill Cosby beim Verlassen des Gerichts in Norristown, Pennsylvania


Mehr als 52 Stunden hatten die Geschworenen debattiert. Sechs Tage lang. Dennoch gelang es der Jury im Prozess gegen den US-Entertainer Bill Cosby nicht, zu einem einstimmigen Urteil zu gelangen. Man habe sich nicht darüber einigen können, ob der Angeklagte die Universitätsangestellte Andrea Constand im Jahr 2004 in seinem Haus mit Drogen betäubt und dann sexuell missbraucht habe.

Richter Steven O'Neill blieb nichts anderes übrig, als den Prozess für ergebnislos zu erklären. Die Staatsanwälte erklärten daraufhin, man werde den Prozess wegen schwerer sexueller Nötigung in drei Fällen wieder aufrollen. Für sie ist das Urteil eine Niederlage, weil sie mit ihren Argumenten die Jury nicht überzeugen konnten. Bis zu einer Neuauflage des Prozesses wird Cosby wohl auf freiem Fuß bleiben. Er hat eine Kaution von einer Million Dollar (897.000 Euro) gezahlt.

Das US-Rechtssystem schreibt die einstimmige Entscheidung der Geschworenen in Strafprozessen zwingend vor. Wird diese nicht erreicht, ist das Verfahren geplatzt. Dies bedeutet, dass der Angeklagte weder freigesprochen noch verurteilt ist. Es besteht aber die Möglichkeit, dass der Fall noch einmal komplett neu aufgerollt wird.

Cosby hatte sich dafür entschieden, im Prozess nicht auszusagen. Seine Anwälte hatten argumentiert, der Angeklagte und das mutmaßliche Opfer seien ein Liebespaar, der sexuelle Kontakt mithin einvernehmlich gewesen. Cosby sei seiner Frau untreu gewesen, habe aber kein Verbrechen begangen, sagte Verteidiger Brian McMonagle.

"Niemals die Macht der Berühmtheit unterschätzen"

Der 79-jährige Schauspieler wird von rund 60 Frauen beschuldigt, sich in früheren Jahrzehnten an ihnen vergangen zu haben. Da die meisten Anschuldigungen aber verjährt sind, beschränkte sich der Strafprozess in Norristown auf einen einzigen Fall.

Für Cosby und seine Anhänger ist der geplatzte Prozess eine Art Sieg. Geschworene kämen nun mal zu keinem einstimmigen Urteil, wenn ein Staatsanwalt versuche, jemanden für etwas ins Gefängnis zu bringen, das vor Gericht nicht gezeigt werden könne, frohlockte Angela Agrusa, eine Anwältin von Cosby.

Fans des Schauspielers Bill Cosby freuen sich über den geplatzten Prozess
AFP

Fans des Schauspielers Bill Cosby freuen sich über den geplatzten Prozess

Auch Cosbys Ehefrau Camille nutzte die Stunde für eine Erklärung: "Menschen mussten sich schon immer gegen Ungerechtigkeit zur Wehr setzen", ließ sie in einem schriftlichen Statement verlauten. "Ich danke jedem Geschworenen, der hartnäckig die Beweise überprüft hat, weil das der rechtmäßige Weg ist, zu einer einwandfreien Entscheidung zu gelangen."

Die Ehefrau kritisierte den Richter und die Staatsanwälte scharf: Der Bezirksstaatsanwalt? "Auf abscheuliche und ausbeuterische Weise ehrgeizig". Der Richter? Offenkundig arrogant und mit dem Bezirksstaatsanwalt im Bunde".

Für alle Frauen, die Cosby ebenfalls der sexuellen Nötigung beschuldigt hatten, ist der geplatzte Prozess ein Schlag ins Gesicht. "Wir dürfen niemals die Macht der Berühmtheit unterschätzen", sagte Gloria Allred, eine Anwältin, die betroffene Frauen vertritt. "Aber die Gerechtigkeit wird kommen."

Zahlreiche Prominente kommentierten den Prozess auf Twitter und sprachen den Frauen Mut zu. Schauspielerin Lena Dunham, bekannt aus der Serie "Girls", schrieb:

"In Bill Cosbys Prozess geht es um viel mehr als Bill Cosby. Wenn Frauen Gerechtigkeit erfahren, werden ihre eigene Angst und Trauma gelindert. Wenn nicht - Überlebende von sexueller Gewalt müssen jeden Tag erleben, dass das Rechtssystem sie Lügner nennt und die Wahrheit leugnet. Es ist eine unvorstellbare Plackerei. Mein Herz ist bei all jenen Überlebenden, die die Ausradierung ihrer eigenen Erlebnisse heute erneut erleben. Ich nehme euch wahr. Ich liebe euch."

ala/dpa/AFP/Reuters

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