Reaktionen auf Urteil gegen Bill Cosby "Endlich etwas Gerechtigkeit"

Entertainer Bill Cosby ist wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen worden. Die Reaktionen reichen von Erleichterung bis Wut. Sein Anwalt kündigt an: "Der Kampf ist nicht beendet."

Bill Cosby  nach der Urteilsverkündung
REUTERS

Bill Cosby nach der Urteilsverkündung


Rund 13 Stunden brauchte die Jury seit Beginn der Beratungen am Mittwoch, um in dem neu aufgerollten Prozess gegen Bill Cosby eine Entscheidung zu treffen. Dann befand sie den 80-Jährigen in allen drei Anklagepunkten für schuldig: Penetration ohne Einwilligung, bei Bewusstlosigkeit des Opfers und nach der Verabreichung von Medikamenten. Die Höchststrafe dafür sind jeweils zehn Jahre Gefängnis.

Damit droht Cosby eine lange Haftstrafe - er könnte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden.

"Dies war ein außerordentlich schwieriger Fall", sagte Richter Steven O'Neill und dankte den Geschworenen für ihre Arbeit. Vor rund zehn Monaten war ein erster Prozess geplatzt, weil die damalige Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht hatte einigen können. Beide Male ging es um die Frage, ob Cosby 2004 die aus Kanada stammende frühere Universitätsangestellte Andrea Constand mit Tabletten hilflos gemacht und dann sexuell genötigt hatte.

Andrea Constand (M.) mit Unterstützern
AP

Andrea Constand (M.) mit Unterstützern

"Heute können wir endlich sagen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde", sagte Staatsanwalt Kevin Steele in einer Pressekonferenz an der Seite von Constand. Er hoffe, das Urteil sende eine "starke Botschaft" an alle Missbrauchsopfer, dass sie solche Verbrechen anzeigen sollten. Cosby sei "zu lange" straffrei geblieben, sagte Steele. "Er nutzte seine Prominenz. Er nutzte seinen Wohlstand, sein Netzwerk aus Unterstützern, um seine Verbrechen zu vertuschen. Jetzt wissen wir, wer der wahre Bill Cosby war."

"Endlich können wir sagen, dass Frauen geglaubt wird, nicht nur bei #MeToo, sondern auch vor Gericht", sagt Anwältin Gloria Allred, die zahlreiche Frauen vertritt, die Cosby Ähnliches vorwerfen: "Ich bin so glücklich wie ich in 42 Jahren noch nie nach einer Gerichtsentscheidung war."

Cosbys Verteidiger will weiter kämpfen

Beendet ist das lange juristische Hin und Her aber noch nicht. "Wir glauben nicht, dass Herr Cosby wegen irgendetwas schuldig ist", sagte sein Anwalt Tom Mesereau nach dem Urteil. "Der Kampf ist nicht beendet." Er beschrieb Cosby als einsamen Mann, der noch unter der Ermordung seines Sohnes Ennis 1997 litt und sich "von einer jungen Frau angezogen fühlte".

Nach dem Urteil blieb Cosby gegen eine Million Dollar Kaution vorerst auf freiem Fuß, muss aber seinen Pass Abgeben und darf sein nur wenige Kilometer vom Gericht entferntes Anwesen in Norristown (US-Bundesstaat Pennsylvania) nicht verlassen. Seine Ehefrau Camille hatte ihn am Dienstag zu den Schlussplädoyers der Verteidigung begleitet.

Cosby wurde in den Achtzigerjahren mit der "Bill Cosby Show" weltberühmt, jahrzehntelang wurde er als "America's Dad" verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Die Vorwürfe gegen ihn hatte er stets zurückgewiesen. Er selbst hat in beiden Prozessen nicht ausgesagt, aber über seine Anwälte mitteilen lassen, die Vorgänge seien einvernehmlich gewesen. In einer außergerichtlichen Einigung wenige Monate nach dem Vorfall hatte er Constand bereits mehr als drei Millionen Dollar gezahlt.

Insgesamt haben bislang mehr als 50 Frauen Cosby öffentlich sexuelle Belästigung vorgeworfen, die meisten Fälle sind verjährt.

Weitere Reaktionen auf das Urteil gegen Cosby im Überblick:

  • Schauspielerin und Aktivistin Rose McGowan - eine der lautstarken Anklägerinnen von Ex-Hollywood-Produzent Harvey Weinstein - schrieb via Twitter: "Cosby ist schuldig. Es tut mir Leid, wenn ihr eine Lüge geliebt habt. Seine Opfer können nun aufatmen. Danke an den Richter und die Jury. Danke an die Gesellschaft fürs Aufwachen."
  • "Oh mein Gott, das hat mich zum Weinen gebracht", schrieb Tarana Burke, die den Hashtag #MeToo ins Leben gerufen hatte. Sie bezog sich damit auf Videos der Anklägerinnen, die weinend und erleichtert aus dem Gerichtssaal kamen.
  • "Nur weil du reich und einflussreich bist, heißt das nicht, dass dir automatisch ein anderer Körper für Sex zur Verfügung steht. Es muss Einverständnis geben", schrieb Schauspielerin Jessica Chastain via Twitter.
  • Mit dem Urteilsspruch würden seine Opfer hoffentlich Frieden finden, schrieb Schauspielerin Susan Sarandon. Und sie hoffe, "dass all diejenigen, die in anderen Fällen und mit anderen Männern keine Gerechtigkeit bekommen haben, die Hoffnung haben, gehört zu werden".
  • Die Verurteilung Cosbys sei hoffentlich nur der erste Schritt vorwärts, schrieb Seth MacFarlane. Und eine Erinnerung daran, "dass Macht und Einfluss mit großer Verantwortung einhergehen".
  • Schauspielerin Elizabeth Banks ("Die Tribute von Panem") schrieb: "Endlich etwas Gerechtigkeit für Bill Cosbys Opfer. Mögen sie heute etwas Frieden finden. #SCHULDIG"
  • Autorin Terry McMillan schrieb: "Hallelujah. Es wurde verdammt nochmal Zeit."
  • Filmproduzentin Dana Goldberg ("Geostorm") schrieb: "An alle Frauen, die von Bill Cosby angegriffen wurden, ich kann mir nicht vorstellen, dass dies den euch zugefügten Schmerz verringert, aber der Schuldspruch bringt euch hoffentlich etwas Frieden."
  • Schauspieler Joshua Malina aus der Serie "West Wing" schrieb: "Wünsche Bill Cosby ein langes Leben!"
  • Comedian Kathy Griffin schrieb: "TSCHÜSS BILL!"
  • Andy Lassner, Produzent der "Ellen Show", schrieb: "Bill Cosby in allen Punkten schuldig gesprochen. Gott sei Dank."
  • Comedian Larry Wilmore, unter anderem bekannt aus der "Daily Show", schrieb: "Ich habe die vielen Frauen nicht vergessen, die du angegriffen und mit deiner Macht zum Schweigen gebracht hast. Und tschüss!!!"
  • Schauspielerin Patricia Arquette schrieb: "Dies ist der Zustand Amerikas: Selbst bei Dutzenden Anklägern hatten wir Angst, dass Bill Cosby freigesprochen würde."
  • Anwältin Lisa Bloom, die den Prozess gegen den später entlassenen Fox-News-Moderator Bill O'Reilly führte und nun Harvey Weinstein vertreten soll, schrieb, Cosby sei nun ein "verurteilter Sexualstraftäter. Und heute haben die Opfer Gerechtigkeit bekommen. Und niemand kann ihnen das nehmen."
  • Musiker John Lurie schrieb: "Wie wäre es, wenn diese Frauen in Fällen wie Bill Cosby oder Weinstein künftig nicht 15 oder 20 Jahre ihres Lebens für Gerechtigkeit kämpfen müssen, um dabei gleichzeitig laufend erniedrigt zu werden?

aar/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.