Missbrauchsvorwürfe Bill Cosby wirft mutmaßlichem Vergewaltigungsopfer Geheimnisverrat vor

Wie kamen versiegelte Aussagen von Bill Cosby an die Öffentlichkeit? Der Komiker wirft einem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer vor, die Dokumente einem Reporter der "New York Times" zugänglich gemacht zu haben.

Bill Cosby wirft mutmaßlichem Opfer Geheimnisverrat vor
AP/dpa

Bill Cosby wirft mutmaßlichem Opfer Geheimnisverrat vor


Die Anwälte des Komikers Bill Cosby wollen verhindern, dass weitere Aussagen ihres Mandanten an die Öffentlichkeit gelangen, die ihn in Misskredit bringen könnten. Am Dienstag stellten sie bei einem Gericht in Philadelphia den Antrag, die Herausgabe entsprechender Dokumente zu unterbinden.

Konkret geht Cosby gegen Andrea Constand vor. Die ehemalige Universitätsangestellte hatte den heute 78-jährigen Fernsehstar beschuldigt, sie unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben.

Cosby wirft der Frau vor, sie habe eine vor zehn Jahren im Rahmen eines Zivilprozesses geschlossene Geheimhaltungsvereinbarung verletzt. Der Rechtsstreit aus dem Jahr 2006 wurde mit einem Vergleich beigelegt, der Klägerin eine Geldsumme in nicht bekannter Höhe gezahlt. Sämtliche Gerichtsdokumente wurden damals versiegelt.

Constand soll eine Abschrift der fast tausend Seiten starken Aussage Cosbys aus dem Jahr 2005 an die "New York Times" gegeben haben - über einen "von ihr beauftragten Gerichtsreporter", heißt es. Die Zeitung hatte Teile der Aussage auf ihrer Website veröffentlicht.

Andrea Constand (r.) mit Anwältin: Dokumente freigeben
AFP

Andrea Constand (r.) mit Anwältin: Dokumente freigeben

Am 6. Juli hatte ein Bundesrichter Auszüge aus Cosbys Aussage in dem Fall veröffentlicht. Demnach hatte der Entertainer unter Eid zugegeben, ein unter dem Namen "Quaaludes" bekanntes Beruhigungsmittel genutzt zu haben, um Frauen zu betäuben, um dann Sex mit ihnen zu haben.

Constand hatte am 8. Juli vor Gericht beantragt, sämtliche versiegelten Dokumente zugänglich zu machen und ihre Geheimhaltungsvereinbarung mit Cosby aufzuheben.

Cosbys Anwälte betonen in dem Antrag vom Dienstag, dass die öffentlich gewordene Aussage ihres Mandanten keinesfalls belege, dass er Sex mit Frauen ohne deren Einverständnis gehabt habe. "Der Angeklagte hat nur zugegeben, einer von vielen Menschen gewesen zu sein, die Quaaludes in den Siebzigern für ihr in gegenseitigem Einvernehmen stattfindendes Sexleben genutzt haben." Ihr Mandant sei in Medienberichten falsch dargestellt worden, beschwerten sich die Anwälte bei einem Gericht in Pennsylvania.

Mehr als 40 Frauen haben in der Vergangenheit erklärt, Cosby habe sie mit Drogen gefügig gemacht und dann sexuell missbraucht. In der Sache sind vier Zivilklagen gegen Cosby anhängig. Seine Anwälte weisen alle Anschuldigungen zurück.

ala/Reuters

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