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Bizarre Strafe: Kneipenverbot für Mord an Ehefrau

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Der Tathergang ist klar: Im April 2007 tötete Edward Flaherty seine Frau nach 52 Jahren Ehe - weil sie seine Zeche im Pub nicht bezahlen wollte. Nun wurde der demente Rentner von einem schottischen Gericht verurteilt: zu einem Jahr Kneipenverbot.

Hamburg - Der 2. April 2007 beginnt für die Flahertys als gewöhnlicher Tag. Nach dem Mittagessen verlassen sie ihre Wohnung im wenig schmucken Glasgower Stadtteil Dennistoun. Wo sich heute hinter der Fassade dreier riesiger grauer Wohnklötze 246 Sozialwohnungen verbergen, stand einst ein Gefängnis. "The Lampost" - von außen eher eine beige-graue Garage als eine einladende Bar - liegt nur wenige hundert Meter entfernt von ihrem Zuhause. Die Kneipe ist das zweite Wohnzimmer der Flahertys.

Ina und ihr Mann Edward, verheiratet seit 52 Jahren, verbringen täglich viel Zeit in dem Pub. Dass es Eddie, wie man den pensionierten Gerüstbauer hier nennt, nicht gut geht, wissen alle. Er ist gesundheitlich angeschlagen, hat drei Herzinfarkte hinter sich. Bergab kann er laufen, bergauf fällt es ihm sehr schwer. 30 Tabletten schluckt er täglich - für das Herz, gegen die Diabetes.

Mit der Rente kam der Alkohol, das machte die Sache nicht besser. Edward ist ein Trinker, und er ist zunehmend verwirrt. Die Demenz nagt an seinem Hirn, er vergisst Dinge, verwechselt Menschen. Nur "The Lampost" bleibt: Egal was er sagt, egal was er tut, im Suff fällt sein Zustand nicht weiter auf.

Eine Leiche im Sessel - doch Flaherty kann sich nicht erinnern

Auch am 2. April 2007, einem Montag, trinken Ina und Edward viel, zu viel. Gegen halb fünf rufen sie ein Taxi und lassen sich zurück nach Hause fahren. Die Kamera im Fahrstuhl des Wohnblocks im Gibson Heights filmt, wie Ina Flaherty Kleingeld zählt, sie scheint aufgebracht. Ihre Wut richtet sich auch gegen ihren Mann, mit dem sie aufgeregt diskutiert.

Was in den kommenden Stunden passiert, wird wohl nie geklärt werden. Fest steht: Die 69-Jährige zieht ihren Rock aus, setzt sich mit einer Decke über den Knien in einen Sessel, macht -angetrunken wie sie ist - ein Nickerchen. So haben die Ermittler die Geschehnisse rekonstruiert.

Gegen 21 Uhr entdeckt Edward Flaherty, der sich ebenfalls hingelegt hat, seine Frau tot im Sessel. Er steigt in den Aufzug, geht zum Hausmeister, der ruft die Polizei. Die stellt fest: Ina Flaherty wurde mit einer Krawatte ihres Mannes zu Tode stranguliert. Da nur er zur fraglichen Zeit in der Wohnung war, kommt nur er als Mörder in Frage.

Doch Edward Flaherty, 74, kann sich nicht erinnern. Der Verstand hat ihn schon vor Jahren verlassen, nur wenige lichte Momente hat er am Tag. Und er hat getrunken, wie so oft. Er weiß nicht, warum seine Frau tot im Sessel sitzt. Er weiß nicht, wie es dazu kam, dass er ihr mit der Krawatte die Luft abdrückte.

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