Zwölf Verdächtige: BKA-Chef rechnet mit weiteren Anklagen im NSU-Verfahren

Fünf Personen sind bislang im NSU-Verfahren angeklagt, doch laut dem Chef des Bundeskriminalamts kann sich ihre Zahl noch erhöhen. Jörg Ziercke sagte, er rechne damit, dass sich weitere Personen als Unterstützer vor Gericht verantworten müssen - und sprach von zwölf Verdächtigen.

NSU-Trio Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos: Möglicherweise Anklage gegen weitere Verdächtige Zur Großansicht
DPA/ Ostthüringer Zeitung

NSU-Trio Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos: Möglicherweise Anklage gegen weitere Verdächtige

Berlin - Die Gruppe der Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ist womöglich größer als bislang angenommen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er rechne mit weiten Anklageerhebungen. "Letztlich könnten nach derzeitigem Stand bis zu zwölf weitere Personen als mutmaßliche Helfer und Unterstützer vor Gericht stehen", sagte Ziercke. Letztlich entscheidet die Bundesanwaltschaft, ob sie Anklage erhebt.

Die Beweislage für eine Verurteilung der Angeklagten Beate Zschäpe hält Ziercke für ausreichend. In wenigen Tagen wird die Entscheidung des Oberlandesgerichts München über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen sie erwartet.

Zschäpe wird Mittäterschaft an zehn Morden, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord, besonders schwere Brandstiftung und Mittäterschaft bei 15 bewaffneten Raubüberfällen vorgeworfen. Sie soll zusammen mit Komplizen zehn Menschen aus rassistischen und staatsfeindlichen Motiven ermordet haben. Außerdem hat die Bundesanwaltschaft im November 2012 Anklage gegen vier weitere Verdächtige erhoben:

Die Angeklagten im NSU-Prozess
Foto Beate Zsch¿pe
Foto Ralf Wohlleben
Foto Holger G.
Foto Carsten S.
Foto Andr¿ E.

Fotos: BKA/DER SPIEGEL
Ziercke sagte, das BKA habe für den Prozess, der im Frühjahr beginnen soll, rund 7000 Asservate ausgewertet, darunter knapp 2600 elektronische Asservate, die zusammen einen Umfang von etwa 64 Terrabyte hätten. Das meiste stamme aus dem Wohnmobil und der Wohnung des Trios. "Wir haben bundesweit über 1300 Hinweise bearbeitet und mehr als 1400 Personen zeugenschaftlich vernommen", sagte er. "Insgesamt haben wir etwa 1000 NSU-Aktenordner für das Gericht erstellt."

Vor einem Jahr hatte der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages seine Arbeit aufgenommen. Dessen Vorsitzender Sebastian Edathy (SPD) stellte dem Ausschuss ein gutes Zeugnis aus. Er sei mit der Arbeit des Gremiums sehr zufrieden, sagte Edathy der "Mitteldeutschen Zeitung". "Dies ist mein fünfter Untersuchungsausschuss und zugleich der effizienteste, den ich bisher erlebt habe", sagte er der in Halle erscheinenden Zeitung.

han/dpa

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1. Höchst fraglich
bio1 26.01.2013
Es ist höchst fraglich, ob die Sicherheitsbehörden jetzt in der Lage sind, ihre eigenen "Black-outs" aufzuklären. Die "Pannen" bergen schon Stoff für das Unterhaltungs-Programme. Zum Beispiel der Nagel-Bomben-Anschlag in Köln; der CDU-Obmann, Untersuchungsausschuss des Bundestags, Clemens Binninger: “Es gab eine Sprengstoffdatei beim Bundeskriminalamt. Hätte man dort die Begriffe eingegeben, in diese Datei: Männlich, rechtsradikal, Koffer, alles Merkmale die in Köln offensichtlich vorlagen, wäre als Treffer angezeigt worden: Mundlos und Böhnhardt.” Darauf kommentiert Oliver Welke von der Heute-Show: “Hmm, leider hatten die Ermittler die Worte “russisch, tabulos, rasiert” eingegeben. Schade. Schade. Ja, passiert.” “Heute-Show” zum Kölner Nagelbomben Anschlag | Friedensblick (http://friedensblick.de/4075/heute-show-zum-koelner-nagelbomben-anschlag/) Darauf angesprochen wird der Chef des Bundeskriminalamtes Ziercke ausgesprochen unhöflich zu den Mitgliedern des Bundestag-U.-Ausschusses. Bezüglich der fehlenden Eingaben in die Tatmeldedatei, antwortet … Ziercke: „Ach so?!“ Binninger: „Warum haben Sie die Tatmeldedatei nicht bedient?“ Ziercke: „Das müssen Sie mir beweisen, dass dann die drei Namen aufgetaucht wären. Sensationell!“ Binninger: „Ich habe mein Wissen aus den vorliegenden Akten.“ Ziercke: „Sen-sat-io-nell!!! Und das haben Sie alles nachgeprüft?“ Durfte der Kölner Bomben-Anschlag nicht aufgeklärt werden? | Friedensblick (http://friedensblick.de/3093/durfte-der-koelner-bomben-anschlag-nicht-aufgeklaert-werden/)
2. Mehr als 3 ...
-bix- 26.01.2013
Naja, man muss ja genug Leute zusammen kriegen, um weiter von einer terroristischen Organisation reden zu können. Man darf gespannt sein, auf die Ausgänge der Verfahren ...
3. Leider ist da wenig rechtsstaatlich,
spmc-122226439819235 26.01.2013
der Staat muß für alle Bürger die höchstmögliche Sicherheit garantieren und diese mit rechtsstaatlichen Mitteln durchsetzen.Mörder sind massivst zu bestrafen,aber bei den Vorgängen um die "NSU" glaube ich an starkes Staatsversagen,die Sicherheitskräfte (Polizei,VS ,MAD)haben ein klägliches Bild abgegeben und die Justiz soll es nun mit allen Mitteln richten und ich denke da ist eine Menge Rechtsbeugung,Durchstecherei und Vorverurteilung im Spiel, die Instrumentalisierung dieser Cause für andere politische Zwecke ist sträflich und keine erhebt Bedenken,weil sonst in die gleiche Ecke gestellt!
4. 64 Terrabyte
hanfiey 26.01.2013
Da kann was nicht Stimmen. Wo stand da das Rechenzentrum???.
5.
Onkel_Karl 26.01.2013
Zitat von sysopFünf Personen sind bislang im NSU-Verfahren angeklagt, doch laut dem Chef des Bundeskriminalamts kann sich ihre Zahl noch erhöhen. Jörg Ziercke sagte, er rechne damit, dass sich weitere Personen als Unterstützer vor Gericht verantworten müssen - und sprach von zwölf Verdächtigen. BKA-Chef Ziercke rechnet mit weiten Anklagen im NSU-Verfahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bka-chef-ziercke-rechnet-mit-weiten-anklagen-im-nsu-verfahren-a-879805.html)
Es ist eine Blamage für den Rechtsstaat und zeigt nur wie gleichgültig und ignorant wir sind wenn es um Deutschland geht. da sitzt eine Mörderin die mit ihren 2 Kumpels mehr als 10 Menschen getötet hat und keiner schreit auf,weil die Akten vorsätzlich zerstört wurden,keiner wundert sich über die Rolle BND...nichts! irgendwelche Anarchisten in Moskau wie Pussy Riot machen uns mehr sorgen...Unsere Geheimdienste haben über 10 jahrelang Mörder unterstützt und gedeckt...jetzt sitzt Zhäpe ohne Anklage über 6 Monaten in Haft und währenddessen werden alle Akten vernichtet und angeblich wusste keiner was davon...einfach peinlch für den Rechtsstaat und den gelenkten/gleichgeschalteten Medien. Und hier wird über Tuka Taka Land berichtet.. schaut erst auf unsere Justiz der enteierten Nation, die allen das selbe wünscht.
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