Offizielle Statistik: Zahl der Drogentoten sinkt auf Tiefstwert seit 1988

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit einem Vierteljahrhundert. Das haben das Bundeskriminalamt und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung bekanntgegeben. Auffällig ist ein Anstieg bei Sicherstellungen der Designerdroge Crystal Meth.

Berlin/Wiesbaden - In Deutschland sind im vergangenen Jahr 944 Menschen wegen Drogenmissbrauchs gestorben. Damit sank die Zahl der Drogentoten um vier Prozent im Vergleich zu 2011, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), mitteilte. Das letzte Mal sei im Jahr 1988 eine niedrigere Zahl (670) an Drogentodesfällen gemeldet worden.

Die Zahl der wegen Drogenmissbrauchs gestorbenen Frauen stieg allerdings um 33 auf 177. "Hier müssen wir sehen, ob die Angebote nicht ausreichend sind", sagte Dyckmans in Bezug auf Hilfsprogramme. Die meisten Drogenabhängigen seien an Vergiftungen aufgrund gleichzeitiger Einnahme verschiedener Substanzen gestorben. "Besonders über die Gefahren des Mischkonsums muss noch besser aufgeklärt werden", sagte Dyckmans.

Die Zahl der erstauffälligen Konsumenten von kristallinem Methamphetamin - sogenanntem Crystal oder Crystal Meth - stieg den Angaben zufolge erneut deutlich an: von 1693 auf 2556. Damit habe die Zahl der Erstkonsumenten von Crystal erstmals die der Heroinkonsumenten übertroffen, hieß es bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Dyckmans und dem Bundeskriminalamt (BKA). Zudem sei 88 Prozent mehr Crystal sichergestellt worden als noch 2011.

Das Aufputschmittel Crystal Meth macht sehr schnell abhängig und ist sehr gefährlich für die Gesundheit. Für die Nervenzellen ist Crystal hochgiftig. Vor allem der Langzeitkonsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Steigende Umsatzzahlen bei Designerdrogen

Die bereits seit einigen Jahren festgestellte steigende Verbreitung neuer psychotroper Wirkstoffe setzte sich laut der offiziellen Statistik auch 2012 fort. Die Substanzen werden in knallbunten Tütchen, als vermeintliche Räucherkegel oder angebliches Badesalz auf den Markt gebracht. "Bei sogenannten Designerdrogen gibt es steigende Umsatzzahlen", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Weil sich ihr Vertrieb finanziell lohne, sei auch künftig nicht mit einem Rückgang zu rechnen. 2012 wurden in Deutschland 24 illegale Labore zur Herstellung synthetischer Drogen beschlagnahmt. Das Problem ist, dass schon kleinere Veränderungen der molekularen Struktur aus einem verbotenen Stoff offiziell eine neue Substanz machen, die dann nicht unter bestehende Verbote fällt.

Einen Rückgang um 35 Prozent habe es bei der sichergestellten Menge von Kokain gegeben. Unvermindert halte jedoch der Cannabisanbau in Deutschland auf Außenflächen und in Indoor-Plantagen an. Die Zahl der sichergestellten Cannabisplantagen sei 2012 um 13 Prozent auf mehr als 800 gestiegen.

wit/dpa/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. steigende cannabis anbauflächen...
jetlag chinaski 25.04.2013
und sinkende zahl der drogentoten... hmm, vielleicht ist kiffen doch nicht so schlimm- oder sind die hanfbauer nur dümmer geworden und lassen sich schneller erwischen wegen zuviel cristal meth. Fragen über Fragen. Erstmal ne Folge breaking Bad schauen.
2. Alkohol tötet jährlich 15.000 Deutsche
Friedrich Hattendorf 25.04.2013
Zählen die nicht als Drogentote?
3. Mehr Infos bitte
rotertraktor 25.04.2013
Warum kann man in solch einem Artikel, der "Offizielle Statistik" im Titel trägt, nicht auch ein paar echte Fakten finden? Z.B. eine Tabelle, an welchen Drogen wieviele Menschen gestorben sind. Beim ach so gefährlichen Cannabis dürfte da wie jedes Jahr eine glatte Null stehen (wenn nicht gerade ein Züchter von einer herabfallenden UV-Lampe erschlagen wurde). Daneben noch eine Statistik, wegen welcher Drogen wieviele Menschen polizeilich verfolgt und gerichtlich bestraft wurden. Da dürfte dann Cannabis wieder mal auf wundersame Weise vom letzten auf den ersten Platz der Tabelle gerutscht sein. Also wegen der wenigsten (nämlich gar keiner) Toten die höchste Kriminalisierung ...nur mal so als kleines Beispiel für die Dam- und Herrschaften der schreibenden Zunft, wie man in einem Artikel statt selektiver Infos mit schwammiger Prozentrechnung den Lesern auch echte Fakten vermitteln könnte.
4.
Knarzi 25.04.2013
Zitat von Friedrich HattendorfZählen die nicht als Drogentote?
Quatsch, das nennt sich Kollateralschaden.
5. Üble Propaganda, die von Schäden durch das Verbot ablenken soll
hanfpiraten 25.04.2013
Warum redet Ihr eigentlich nicht öfter über die kriminalitätsfördernde Wirkung der Drogenprohibition? Die Faktenlage weißt deutlich darauf hin, dass die Regierung mutwillig die Allgemeinheit schädigt und gefährdet. Und dann werden Rechte abgebaut und Resourcen verschwendet, um die Allgemeinheit vor de facto hausgemachten Gefahren zu 'schützen'. Was fällt dem Staat ein, durch Markteingriffe Kriminelle, Terroristen, Alkoholkonsum, Gewalt, Tabakkonsum, Medikamentenkonsum, Lösungsmittelkonsum, 'Sicherheitstechnik', Waffenhandel, Menschenhandel, Prostitution, die Verbreitung von Krankheiten, die Korrumpierung von Polizei und Justiz sowie Konflikte in der Gesellschaft und in Familien zufördern? Die durch willkürliche Verbote psychoaktiver Substanzen verursachten Kosten, Schäden und der Produktivitätsverlust gehen in die Milliarden. Das unnötig verursachte menschliche Leid ist unermesslich. Millionen unschuldige Menschen werden unter den Augen einer jahrzehntelang manipulierten Öffentlichkeit in Deutschland diskriminiert, verfolgt und geschädigt, Tausende werden wie Tiere eingesperrt, Kindern die Eltern genommen, nüchternen Fahrern wird die Fahrerlaubnis entzogen, Zietracht gesät.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Drogen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 13 Kommentare
Drogenkonsum in Europa 2004-2011
Datenbasis
Die Schätzungen der EU-Drogenbehörde EBDD beziehen sich auf die Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren und basieren auf Daten der Jahre 2004 bis 2011.
Opioide
Problematische Konsumenten: ca. 1,4 Millionen Europäer. Drogeninduzierte Todesfälle machen vier Prozent aller Todesfälle unter Europäern im Alter zwischen 15 und 39 Jahren aus, in etwa drei Vierteln der Fälle wurden Opioide nachgewiesen. Sie sind die Hauptdrogen in etwa der Hälfte aller Drogentherapie-Nachfragen. Etwa 710.000 Opioidkonsumenten haben 2010 in der EU eine Substitutionsbehandlung erhalten.
Amphetamine
Die Lebenszeitprävalenz - also die Zahl der Menschen, die mindestens einmal in ihrem Leben die Droge konsumieren - liegt für Amphetamine bei etwa 13 Millionen (3,8 Prozent der europäischen Erwachsenen). Zwei Millionen haben die Drogen während der vergangenen zwölf Monate genommen.
Kokain
Lebenszeitprävalenz: etwa 15,5 Millionen (4,6 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der letzten 12 Monate: etwa 4 Millionen europäische Erwachsene (1,2 %) oder eine von vier Personen mit Kokainerfahrung. Konsum im vergangenen Monat: etwa 1,5 Millionen.
Ecstasy
Lebenszeitprävalenz: etwa 11,5 Millionen (3,4 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der vergangenen 12 Monate: etwa zwei Millionen.
Cannabis
Lebenszeitprävalenz: etwa 80,5 Millionen (23,7 Prozent der europäischen Erwachsenen). Konsum während der vergangenen 12 Monate: ca. 23 Millionen europäische Erwachsene (6,8 Prozent) oder eine von drei Personen mit Cannabiserfahrung. Konsum im vergangenen Monat: etwa 12 Millionen (3,6 Prozent).