"Blood and Honour"-Chef womöglich V-Mann Opposition verlangt Aufklärung

Hat der Verfassungsschutz einen führenden Nazi angeworben? Laut einem Medienbericht arbeitete ein ehemaliger Chef von "Blood & Honour" offenbar als V-Mann. Linke und Grüne im Bundestag sind empört.

"Blood and Honour"-Aktivist
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"Blood and Honour"-Aktivist


Ein ehemaliger Deutschland-Chef der verbotenen Neonazi-Gruppierung "Blood and Honour" könnte einem Bericht der ARD zufolge in den Neunzigerjahren als V-Mann für das Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet haben. Linke und Grüne im Bundestag fordern Aufklärung, ob tatsächlich ein führender Neonazi als Spitzel Informationen an den Geheimdienst geliefert hat.

Der Bundestagsabgeordnete André Hahn will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) befragen. Sollte der Bericht zutreffen, "dann hätte der Verfassungsschutz diese zu Recht als hochgefährlich eingestufte Organisation nicht überwacht, sondern regelrecht mit aufgebaut", kritisierte der Linken-Politiker und stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte der ARD: "Wenn der Deutschland-Chef von 'Blood and Honour' V-Mann war, dann ist da ganz klar eine Grenze überschritten." Eine Aussage, man könne dazu nichts sagen, reiche nicht mehr.

Die Politikmagazine der ARD berufen sich in ihrem gemeinsamen Bericht auf einen einst geheimen Vermerk des Berliner Landeskriminalamts. Dabei geht es um ein Gespräch mit einem anderen Vertrauensmann und eine relativ geringe Geldstrafe für den "Blood and Honour"-Chef, der in der Neonazi-Szene einen Spitzelverdacht aufkommen ließ.

In dem Vermerk heißt es dem Bericht zufolge: "[Der Deutschland-Chef von Blood and Honour] wurde durch das LKA 514 an das BfV vermittelt." Die Sicherheitsbehörden der Hauptstadt wollen sich laut ARD zu dem Thema nicht äußern, weil der "operative Kernbereich der V-Mann-Führung der Sicherheitsbehörden" betroffen sei.

apr/dpa

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