Blutbad von Lüttich Polizei entdeckt Frauenleiche in Wohnung von Attentäter

Nach dem Attentat von Lüttich hat die Polizei in der Wohnung des mutmaßlichen Todesschützen eine Frauenleiche gefunden. Nordine A. soll die 45-Jährige unter einem Vorwand in sein Heim gelockt, vermutlich vergewaltigt und ermordet haben.


Lüttich - Mindestens vier Menschen starben bei dem Attentat in Belgien, 125 sind zum Teil lebensgefährlich verletzt. Neuesten Ermittlungen zufolge muss die Zahl der Todesopfer nun erneut nach oben korrigiert werden. Wie das belgische Internetportal "Sudpresse" am Mittwoch berichtet, soll der tatverdächtige Nordine A. eine Frau ermordet haben, bevor er am Dienstag in der Innenstadt von Lüttich mindestens drei Menschen tötete und 125 verletzte.

Kurz bevor er zum Platz Saint-Lambert aufbrach, "massakrierte" der Todesschütze laut "Sudpresse" demnach eine 45-Jährige, die er unter einem Vorwand in seine Lütticher Wohnung gelockt hatte. Es sei ungeklärt, ob er die Frau aus Vottem in der Provinz Liège auch vergewaltigte, hieß es. Die Polizei hatte die Leiche im Zuge der Ermittlungen nach der Schießerei gefunden.

Bei dem Opfer soll es sich um die Haushälterin der Nachbarn von Nordine A. handeln. Sie traf A. im Treppenhaus. Unter dem Vorwand, einen Job für sie zu haben, bat er sie in seine Wohnung, wo er sie tötete. Eine Autopsie soll nun Aufschluss darüber bringen, wie die Frau starb.

Außerdem wurde bekannt, dass A. am Montagabend seiner Freundin Geld überwiesen hat, laut "Sudpresse" "keine große Summe, aber zweifellos alles, was er besaß". Er hinterließ eine Botschaft: "Ich liebe dich mein Schatz. Viel Glück!"

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Lüttich: Anschlag fordert Tote und Verletzte
Der ehemalige Anwalt von Nordine A. zeigte sich überrascht: "Ich hätte nie geglaubt, dass er zu so etwas fähig wäre", sagte der Brüsseler Jurist Abdelhadi Amrani, der A. vor Jahren vertreten hatte.

Am späten Dienstagabend war bekanntgeworden, dass auch ein 17 Monate altes Kind seinen schweren Verletzungen erlegen war. Der Täter hatte im Stadtzentrum mit Blendgranaten auf Menschen geworfen und sie beschossen. Er tötete zwei Teenager, bevor er sich laut Behörden selbst erschoss. Am Vormittag korrigierte die belgische Staatsanwaltschaft die Zahl der getöteten Menschen. Eine 75-jährige Frau, die zunächst für tot erklärt worden war, habe überlebt.

Kein Terrorismus, sondern die Tat eines Einzelnen

Der Amoklauf ereignete sich zur Mittagszeit auf einem Weihnachtsmarkt der belgischen Stadt. Mehr als 120 Menschen wurden verletzt. Mehrere von ihnen befinden sich noch in einem kritischen Zustand, darunter ein 20-Jähriger, der schwere Hirnverletzungen erlitten hatte. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft identifizierte Nordine A. bereits am Dienstag als den mutmaßlichen Täter. Er sei wegen Waffen- und Drogenbesitzes vorbestraft gewesen, sagte Staatsanwältin Danièle Reynders. 2008 war er wegen illegalen Waffenbesitzes zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Am Dienstag sollte er zu einer Anhörung bei der Polizei erscheinen, tauchte dort aber nicht auf.

Der Lütticher habe sich am späten Vormittag mit dem Wagen Richtung Innenstadt auf den Weg gemacht und ein Sturmgewehr, einen Revolver und zahlreiche Handgranaten in einem Rucksack dabeigehabt. Auf dem Platz Saint-Lambert, wenige Meter vor dem gutbesuchten Weihnachtsmarkt, schlug er gegen 12.30 Uhr zu: Von einem Vorplatz warf er drei Blendgranaten in einen Unterstand an einer Bushaltestelle und eröffnete das Feuer.

Das Blutbad löste in Belgien Entsetzen und tiefe Trauer aus. Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. den Tatort. "Das ganze Land teilt Ihren Schmerz", sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer "Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat". Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an.

EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek drückte seine Anteilnahme aus. Er sei zutiefst schockiert von dem Blutbad und denke an die Opfer und ihre Familien, sagte Buzek. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte in Berlin: "Wir trauern mit Belgien um die Opfer dieses Verbrechens. Den Angehörigen und Freunden gilt unser Mitgefühl. Den Verletzten wünschen wir baldige Genesung."

ala/dpa



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