Chicago - In Washington sind am Samstag Tausende Menschen für schärfere Waffengesetze auf die Straße gegangen. Im knapp 1000 Kilometer entfernten Chicago zeigten sich fast zeitgleich die Folgen der bislang als lax geltenden Vorschriften: Bei mehreren Schießereien in der Stadt kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. Darunter war auch ein junger Mann, dessen drei Geschwister bereits vor mehreren Jahren bei bewaffneten Auseinandersetzungen erschossen worden waren, wie US-Nachrichtenseiten berichten. "Ronnie war mein einziger überlebender Sohn", sagte seine Mutter Shirley Chambers dem Sender WLS-TV zufolge. "Ich habe jetzt niemanden mehr."
Dem 34-jährigen Ronnie Chambers, der in einem parkenden Auto in Chicago saß, wurde in den Kopf geschossen. 1995 war sein damals 18-jähriger Bruder bei einem Streit getötet worden, im Jahr 2000 starben im Abstand von wenigen Monaten seine Schwester und ein weiterer Bruder an Schussverletzungen.
Bei einem weiteren Vorfall am Samstag in Chicago wurden zwei Männer in der Nähe eines Lokals erschossen, einige Stunden später starben bei einer Schießerei ein Jugendlicher und ein junger Mann. Die Zahl der Tötungsdelikte in Chicago war im vergangenen Jahr erstmals seit 2008 wieder auf mehr als 500 gestiegen.
"Es geht darum, dass weniger Kinder sterben"
In den USA wird seit dem Massaker von Newtown heftiger denn je über die Waffengesetze debattiert. In der Kleinstadt hatte ein 21-Jähriger im Dezember 20 Schulkinder und sieben Erwachsene erschossen, ehe er sich selbst tötete. Seit diesem Vorfall setzt sich US-Präsident Barack Obama für strengere Regeln ein, stößt dabei aber auf den Widerstand der starken Waffenlobby.
Auch auf der Kundgebung in Washington forderten Bildungsminister Arne Duncan sowie Parlamentarier und Schauspieler einen besseren Schutz vor Waffengewalt. "Es geht darum, dass weniger Amerikaner sterben, weniger Kinder sterben, weniger Kinder in Angst leben", sagte Duncan in seiner Rede. An der Veranstaltung nahmen auch rund 100 Menschen aus Newton teil.
Eleanor Holmes Norton, Mitglied des Repräsentantenhauses, rief die Amerikaner zu einer entschlossenen Haltung auf. "Nur eine empörte Öffentlichkeit kann diese Gewalt der Waffen beenden, die unser Land erfasst hat", sagte sie nach Angaben des Senders CNN.
Obama will unter anderem Waffenkäufer künftig vorab überprüfen lassen und den Verkauf von Sturmgewehren verbieten. Die Veranstalter der Demonstration unterstützen diese Forderungen. Sie organisierten auch in rund einem Dutzend anderer Städte solche Kundgebungen, darunter San Francisco und Austin in Texas. Die Veranstaltungen folgten eine Woche nach landesweiten Demonstrationen von Waffenbefürwortern, die sich mit Unterstützung der mächtigen Waffenlobby NRA gegen Einschränkungen wehren.
yes/dapd/dpa
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