Bluttat Sechs Italiener in Duisburg erschossen - Polizei wertet Video-Bänder aus

Es war wie eine Hinrichtung: Sechs Italiener sind in der Nähe des Duisburger Bahnhofs mit einer Vielzahl von Schüssen getötet worden. Über die Täter gibt es bislang noch keine Erkenntnisse. Die Fahnder hoffen, dass Überwachungskameras die Bluttat aufgezeichnet haben.


Duisburg - Mitten in der Nacht fielen die tödlichen Schüsse: Die Unbekannten eröffneten das Feuer auf die sechs Italiener. Etliche Schüsse trafen die Männer im Kopf und Halsbereich. Fünf Opfer starben sofort, einer auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Toten waren im Alter zwischen 16 und 39 Jahren.

Die Polizei entdeckte die Opfer in zwei Autos, die in der Nähe des Hauptbahnhofs abgestellt waren.

Möglicherweise wurde die Bluttat aufgezeichnet - durch Überwachungskameras an einem benachbarten Gebäude. Ob auf den Bändern etwas von der Tat zu sehen ist, konnte Polizeisprecher Reinhard Pape noch nicht sagen. Laut Pape wurden zwei Männer in der Nähe des Tatorts gesehen. Ob diese Unbekannten etwas mit den tödlichen Schüssen zu tun hatten, ist bislang nicht bekannt.

Der Hintergrund der Tat ist noch völlig unklar. "Es muss sich um mehr als einen Täter gehandelt haben", sagte Pape. "Es ist oft geschossen worden." Am Tatort seien zahlreiche Geschosshülsen gefunden worden. Die Opfer selbst seien offenbar unbewaffnet gewesen.

Die Tat ereignete sich offenbar kurz nach 2 Uhr morgens. "Eine Fußgängerin hat die Schüsse gehört und einen Streifenwagen angehalten, der zufällig in der Gegend war", sagte der Polizeisprecher. Die Beamten entdeckten gegen 2.30 Uhr die beiden Autos mit den Toten.

Bei dem einen Fahrzeug handelte es sich den Angaben zufolge um einen VW Golf mit Pforzheimer Kennzeichen, bei dem anderen um einen kleinen Lieferwagen aus Duisburg. Die Polizei sperrte den Tatort ab und begann mit der Spurensicherung. Es werde versucht, jede Spur zu sichern, auch wenn dies durch Regen erschwert werde, sagte Polizeisprecher Hermann-Josef Helmich. Am Morgen wurden die ersten Leichen mit Leichenwagen abtransportiert. Dabei schützen Rote-Kreuz-Helfer die Leichen mit hochgehaltenen Decken vor den Objektiven der Fotografen.

Der Tatort liegt nur 100 Meter vom Hauptbahnhof entfernt, direkt neben dem sogenannten "Klöckner-Hochhaus", einem der Wahrzeichen der Ruhrgebietsstadt, in einem Verbindungsweg zwischen zwei Bürogebäuden - und in der Nähe eines italienischen Restaurants.

Anwohner zeigten sich entsetzt über die Ereignisse. "Ich bin hier noch gegen Mitternacht lang gegangen, da war noch alles ruhig", sage eine junge Frau. "So was hat es hier noch nie gegeben."

Einzelheiten will die Polizei auf einer Pressekonferenz um 14 Uhr bekannt geben. Die Opfer sollen noch heute obduziert werden. Dabei soll auch geklärt werden, in welcher Reihenfolge die tödlichen Schüsse fielen. Außerdem sollten Angehörige der Opfer befragt werden. Mit Blick auf die Hintergründe der Tat werde in alle Richtungen ermittelt. "Das hat keine Allerweltsdimension", sagte Polizeisprecher Helmich.

jdl/dpa/AP



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