Vergewaltigung auf Friedhof Bochumer Polizei räumt weitere Fehler ein

Im Fall einer Vergewaltigung in Bochum sind weitere Fehler der Polizei bekannt geworden. Der mutmaßliche Täter, der wegen Sexualdelikten vorbestraft ist, soll doch nicht so engmaschig überwacht worden sein wie behauptet.

Polizei NRW (Symbolbild)
DPA

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NRW-Innenminister Herbert Reul hat sich zum Fall einer Vergewaltigung auf einem Bochumer Friedhof geäußert. Die Beamten hätten die sogenannten Gefährder-Ansprachen bei dem Tatverdächtigen nicht vorschriftsgemäß durchgeführt, sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

Diese sind Teil des Programms "KURS", das besonders gefährliche Sexualstraftäter vor einem Rückfall bewahren soll. Statt den mutmaßlichen Vergewaltiger und vorbestraften Sexualtäter zu Hause aufzusuchen, habe die Polizei mit ihm häufig nur auf dem Polizeipräsidium oder am Telefon gesprochen. Die Beamten hätten sich keinen umfassenden Überblick über das soziale Umfeld des Mannes verschafft.

Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, eine 33-jährige Frau auf einem Bochumer Friedhof zunächst bewusstlos geschlagen und dann vergewaltigt zu haben. Mittlerweile sitzt er hinter Gittern. Er ist bereits wegen früherer Sexualdelikte vorbestraft und nahm deshalb an dem Programm teil.

Die Polizei hatte zunächst angeben, der Mann sei sehr engmaschig überwacht worden. Nun sei jedoch nicht auszuschließen, dass Gefährder-Ansprachen aus Personalmangel auch an anderer Stelle nicht ordnungsgemäß abgelaufen seien, revidierte Reul gegenüber der "WAZ". Deshalb hätten alle Behörden vor wenigen Tagen den "klaren Hinweis" bekommen, dass die Ansprachen nur vor Ort stattfinden dürften.

Regeln des "KURS"-Programms sollen verschärft werden

Dass der Mann sich neuerlich an einer Frau vergangen haben soll, teilte die Polizei erst nach einem Bericht der "Rheinischen Post" mit. Den Vorwurf, die Tat absichtlich geheimzuhalten, dementierten die Bochumer Beamten. Man habe das Opfer schützen wollen. Deshalb sei die Meldung auch nicht im polizeilichen Landeslagebild aufgetaucht. Dass der 30-Jährige an dem Programm teilgenommen habe, sei kein Grund zur Geheimhaltung gewesen.

Die Tat nicht öffentlich zu machen, sei ein weiterer Fehler gewesen, sagte Reul. Der Innenminister will die Regeln des "KURS"-Programms verschärfen. "Die schreckliche Tat von Bochum hat uns vor Augen geführt, dass es bei dem 'KURS'-Konzept Verbesserungsbedarf gibt", sagte er.

vik/dpa



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