Börsencrash US-Finanzmanager erschießt sich und fünfköpfige Familie

Tragödie in Los Angeles: Offenbar aus Geldsorgen hat ein 45-jähriger Finanzmanager seine Frau, seine drei Söhne und seine Schwiegermutter getötet, bevor er sich selbst erschoss. Der Mann hatte im Zuge der Finanzkrise sein Vermögen an der Börse verloren.


Los Angeles - Am 16. September kaufte sich Karhtik Rajaram eine Waffe - und wartete ab. Würden sich die Dinge noch bessern? Würde noch irgendetwas passieren, was ihn aus der Krise holte?

Doch Rajarams Glückssträhne war endgültig Geschichte. Der Mann, der scheinbar alles hatte - Erfolg im Beruf, eine glückliche Familie, ein schönes Haus in einer noblen Gegend von Los Angeles - war zum Äußersten entschlossen.

Rajaram war Finanzmanager von Beruf - und stand nun vor dem Nichts. Der als brillant geltende 45-Jährige, der sein BWL-Abschlussexamen an der Universität von Kalifornien einst mit herausragendem Ergebnis bestanden hatte, griff zur Waffe.

Am vergangenen Wochenende, irgendwann zwischen Samstagnacht und Montagfrüh, löschte Rajaram seine gesamte Familie aus: seine Frau Subasri, die drei Söhne, seine Schwiegermutter - und sich selbst.

Es ist noch nicht lange her, da war Rajaram ein Held: Er verdiente ein Vermögen mit Risikofonds. 2001 bescherte ihm der Verkauf seines Anteils an einem von ihm mitbegründeten Fond einen Gewinn von umgerechnet 1,2 Millionen US-Dollar an der Londoner Börse. "Großes Geld für große Jungs", titelte damals der britische "Telegraph".

"Er war emotional einfach nicht ausgeglichen"

Auch bei Immobiliengeschäften bewies Rajaram ein glückliches Händchen: Das Haus, das er und seine Ehefrau Subasri 1997 für 274.000 Dollar erworben hatten, verkaufte er 2006 für eine Dreiviertelmillion Dollar - auch wenn seine Familie, wie die "Los Angeles Times" berichtet, von dem Umzug in eine andere Gegend nicht begeistert war.

Doch schon zwei Jahre zuvor scheint nicht mehr alles im Lot gewesen zu sein. Arbeitskollegen beim Consulting-Unternehmen LLC beschreiben Rajaram als "nervös": "Sein Verhalten war ein Problem", sagte Firmenchef Greg Robinson der "L.A.Times". "Er war unzuverlässig, er war emotional einfach nicht ausgeglichen. Bei jedem Auftrag, den er übernahm, war das ein Problem." Rajaram wurde gefeuert.

Auch beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers, bei dem Rajaram angestellt gewesen war, galt der ehrgeizige, hochintelligente Mann als "auffällig". "Er war einfach nie locker", sagte nun seine Nachbarin, Sue Kairns.

Am vergangenen Wochenende kulminierte die Situation. Einer von drei Abschiedsbriefen, die Rajaram hinterließ, macht die weltwirtschaftliche Lage für den erweiterten Suizid verantwortlich. Die "L.A. Times" berichtet unter Bezug auf vertrauliche Polizeiinformationen, Rajarams gesamtes Vermögen sei durch den Börsenkollaps der vergangenen Tage vernichtet worden.

In seinem Brief an die Polizei hatte Rajaram offenbar bekundet, dass er für seine Probleme nur zwei Lösungen sehe. Er könne entweder Selbstmord begehen oder aber seine gesamte Familie auslöschen. "Am Ende hatte er sich eingeredet, dass der zweite Weg der beste sei, der ehrenvolle", sagte der Chef der Polizei von Los Angeles, Michael Moore.

"Kein Vater hat seine Kinder so geliebt"

Die Tragödie wurde erst bemerkt, als Rajarams Frau Subasri, 39, am Montagmorgen von ihrer Fahrgemeinschaft vermisst wurde.

Als die Polizeibeamten das Haus in der Como Lane betraten, fanden sie zunächst Rajarams Schwiegermutter Indra Ramasesham, 69, tot in einem Schlafzimmer im Erdgeschoss.

In den Schlafzimmern im Obergeschoss entdeckten sie die Leichen der Ehefrau und des ältesten Sohnes Krishna, 19 - er studierte wie sein Vater BWL an der Universität von Kalifornien. Die Söhne Ganesha, 12 und Arunja, 7, lagen im selben Zimmer wie ihr Vater, der noch die Pistole in der Hand hielt. Alle waren durch Kopfschüsse getötet worden, wiesen daneben weitere Schussverletzungen auf.

Die Nachbarin Sue Kairns, die neun Jahre lang im Haus neben den Rajarams lebte, sagte: "Kein Vater hat seine Kinder so geliebt, wie Karhtik seine Söhne geliebt hat."

"Wir müssen uns spätestens jetzt dazu bekennen, dass wir in sehr schwierigen Zeiten leben", sagte Polizeichef Michael Moore.

pad



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