Salafist Omar D.: Bombenalarm in Bonn - Polizei nimmt Islamisten fest

Von , Düsseldorf

Nach dem Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof hat es eine erste Festnahme gegeben: Die Ermittler fassten den Salafisten Omar D. in einem Internetcafé - er ist ein alter Bekannter der Staatsschützer.

Bombenfund in Bonn: Festnahme und Fahndungsfoto Fotos
DPA

Eine blaue Sporttasche mit dunklen Riemen, ein billiges Allerweltsprodukt, entdeckt auf Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs, hat eine landesweite Großfahndung der Polizei ausgelöst. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE befanden sich in dem Beutel Butangas und Ammoniumnitrat sowie ein Metallrohr, ein Wecker und Batterien. Die Ermittler stuften die Chemikalien als "zündfähiges Material" ein - eine Bombe in der ehemaligen Hauptstadt, der Verdacht fiel schnell auf die Salafisten-Szene der Stadt.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nahmen Beamte am Dienstagmittag um 13.35 Uhr den gebürtigen Somali Omar D. in einem Bonner Internetcafé fest. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, Schüler hätten D. und seinen Landsmann Abdirazak B. zuvor am Hauptbahnhof gesehen und auf Bildern identifiziert. Allerdings führten die Behörden - auch am Dienstag noch - beide Männer im polizeilichen Informationssystem lediglich zur "Kontrolle/Beobachtung". Merkwürdig erscheint auch, dass D. offenkundig keine Anstalten gemacht hatte, Bonn zu verlassen. Laut "General-Anzeiger" soll es zudem eine zweite Festnahme in der Stadt gegeben haben. Die Polizei bestätigte das zunächst aber nicht.

Omar D. und Abdirazak B. sind alte Bekannte der Staatsschützer. Bereits im September 2008 waren sie auf dem Rollfeld des Flughafens Köln/Bonn geschnappt worden, nachdem sie eine Fokker 50 nach Amsterdam bestiegen hatten. Die Ermittler werteten damals einen Liebesbrief von D. an eine junge Frau als Abschiedsschreiben und gingen davon aus, dass die Männer in den Heiligen Krieg ziehen wollten. Doch schon bald waren D. und B. wieder frei.

Eine aktuelle Anfrage ließen die Anwälte der Männer bislang unbeantwortet. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird der Staatsschutz des Bundeskriminalamts die Ermittlungen demnächst übernehmen.

Spezialisten hatten das Gepäckstück am Montagabend vor Ort durch Beschuss mit einem Wasserstrahl zerstört, anschließend begannen Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts mit der Untersuchung der einzelnen Teile. Noch ist unklar, ob die Konstruktion in der herrenlosen Tasche auch explosionsfähig war.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, sagte SPIEGEL ONLINE: "Dieser Vorfall macht deutlich, dass wir bei aller berechtigten Fokussierung auf den Rechtsextremismus auch andere Gefahren nicht unterschätzen dürfen." Die Politik solle daher endlich damit aufhören, die Ressourcen der Behörden hin- und herzuschieben und stattdessen eine kontinuierliche Arbeit auf hohem Niveau ermöglichen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, warnte derweil, es bestehe nach wie vor eine Gefahr durch Islamisten. Die Bedrohung durch islamistischen Extremismus und Terror sei "keinesfalls erledigt", so Wendt.

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