Bombenalarm: Polizei fordert Konsequenzen aus Münchner Airport-Panne

Der Fluggast, der einen Großalarm am Münchner Flughafen auslöste, ist spurlos verschwunden. Die Gewerkschaft der Polizei fordert angesichts der Panne nun eine vollständige Prüfung der Sicherheits-Checks an deutschen Airports. Schuld an dem Vorfall seien Mängel beim Personal.

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Flughafen München: Sprengstoff-Alarm beim Security-Check

München - Nach dem Bombenalarm am Münchner Flughafen fahndet die Polizei weiter nach dem Mann mit der Laptoptasche. Gesucht wird ein etwa 50-Jähriger. Beim Check seines Computers hatten Sicherheitsgeräte im Terminal 2 am Mittwochnachmittag Sprengstoffalarm ausgelöst. Der Mann war daraufhin in der Menge verschwunden. Die Polizei sperrte vorübergehend große Teile des Gebäudes und stoppte Flugzeuge vor dem Start. Später gab die Bundespolizei dann Entwarnung und den Airport wieder frei: "Rein prophylaktisch" seien so harte Maßnahmen ergriffen worden, hatte ein Sprecher erklärt.

Eine erste Auswertung der Videoaufnahmen vom Sicherheitscheck habe bislang nichts ergeben, sagte Albert Poerschke von der Münchner Flughafenpolizei. "Wir suchen den Mann zwar, aber ich möchte betonen, dass das nicht strafrechtlich relevant ist", erklärte der Sprecher. Eine erste Spur nach Spanien musste die Polizei inzwischen aufgeben. In Madrid überprüfte die Grenzpolizei eine aus München ankommende Maschine ohne Ergebnis.

Die Gewerkschaft der Polizei fordert nun Konsequenzen aus der Panne. Die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen müssten vollständig auf den Prüfstand gestellt wertden. Eine derartige Sicherheitslücke könne sich ein Airport nicht leisten, sagte der für die Bundespolizei zuständige Gewerkschaftsvorsitzende Josef Scheuring der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können."

Scheuring sagte, das Münchner Geschehen sei zwar aus der Distanz nur schwer zu beurteilen. Es sei aber naheliegend, dass entweder zu wenig Personal am Kontrollschalter zur Verfügung stand oder aber die Ausbildung der Leute mangelhaft gewesen sei.

Geschäftsmann unter Zeitdruck?

Der Zwischenfall bedeutete für etliche Fluggäste erhebliche Beeinträchtigungen. 33 Flüge wurden nach Angaben eines Flughafensprechers annulliert, bei 100 weiteren kam es zu Verspätungen.

Vermutlich habe es sich bei dem Passagier mit dem Laptop um einen Geschäftsmann gehandelt, der wohl auf den letzten Drücker sein Flugzeug erreichen wollte, sagte Bundespolizei-Sprecher Poerschke. Der Mann habe nach dem Alarm der Sicherheitskontrolle wahrscheinlich nicht mitbekommen, dass er zum Bleiben und einer näheren Kontrolle aufgefordert wurde.

Poerschke sagte, der bisher nicht identifizierte Mann habe sich zwar eilig von den Kontrollen entfernt. Er sei aber keineswegs wie ein Flüchtender unterwegs gewesen, sondern habe wohl schlicht sein Flugzeug erreichen wollen. Entgegen erster Angaben nahm er den Computer mit, so dass dieser auch nicht weiter kontrolliert werden konnte.

Die Ursache für den möglichen Fehlalarm ist nach wie vor unklar. Die Kontrollgeräte sind nach Angaben der Sicherheitsgesellschaft München so eingestellt, dass sie Sprengstoff-Verdacht schon auf niedrigstem Niveau melden. Daher kämen auch Fehlalarme immer wieder vor. Einen konkreten Verdacht auf Sprengstoff in einem Gegenstand habe es nicht gegeben.

als/dpa/AFP/Reuters

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Terminal 2 des Münchner Flughafens: Ebene 4 war gesperrt - vor den Eingängen sind die Sicherheitskontrollen (türkis eingefärbt) Zur Großansicht
Münchener Flughafen

Terminal 2 des Münchner Flughafens: Ebene 4 war gesperrt - vor den Eingängen sind die Sicherheitskontrollen (türkis eingefärbt)