Falsche Halsketten-Bombe: "Unvorstellbare Angst"

Zehn Stunden musste Millionärstochter Madeleine Pulver mit einer Bombenattrappe um den Hals ausharren. Ein Investmentbanker wollte die Eltern des Mädchens erpressen, nun wurde er zu 13,5 Jahren Haft verurteilt. Die Angst des Opfers sei unvorstellbar gewesen, sagte der Richter.

Falsche Halsketten-Bombe: Erlösung für Familie Pulver Fotos
AFP

Sydney - Im Prozess um den Fall der australischen Millionärstochter, die zehn Stunden lang mit einer vermeintlichen Bombe um den Hals ausharren musste, ist der Angeklagte zu 13,5 Jahren Haft verurteilt worden. Der Investmentbanker habe sein Opfer "unvorstellbarer Angst" ausgesetzt, sagte Richter Peter Zahra.

Der Verurteilte ist 52 Jahre alt und selbst Vater dreier Kinder. Im August 2011 drang er maskiert und mit einem Baseballschläger bewaffnet in die Villa der Unternehmerfamilie Pulver in Sydney ein. Die damals 18-jährige Tochter Madeleine war allein zu Hause. Der Täter befestigte eine Bombenattrappe an ihrem Hals, platzierte einen Erpresserbrief und verschwand.

Zehn Stunden dauerte das Martyrium des Mädchens - so lange brauchten Sprengstoffexperten, um die Vorrichtung zu entfernen. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich um eine Attrappe handelte.

In seinem Erpresserbrief hatte der Täter eine E-Mail-Adresse als Kontakt angegeben. Über sie kamen die Ermittler dem Mann auf die Spur. Er wurde zwei Wochen später im US-Bundesstaat Kentucky von FBI-Beamten festgenommen und nach Australien ausgeliefert.

Nach dem Scheitern seiner Ehe und dem Verlust des Sorgerechts litt er offenbar unter psychischen Problemen. Seinem Anwalt zufolge war er depressiv und trank viel Alkohol. Er habe wie besessen an einem Buch gearbeitet, in dem ein Mann aus Rache zum Schurken wird. Ein von der Verteidigung bestellter Psychiater sagte, der 52-Jährige habe eventuell versucht, selbst der böse Protagonist aus dem Buch zu werden. Der Verurteilte gab an, er erinnere sich nicht an die Tat.

Laut Staatsanwaltschaft ging es ihm jedoch nur um eines: Geld. Demnach hatte er ursprünglich ein anderes Ziel ausgemacht, war in der Tatnacht jedoch ins falsche Haus eingedrungen. "Er wusste um die Ungeheuerlichkeit seiner Tat und die schrecklichen Folgen für das Opfer", sagte Richter Zahra. "Er wollte, dass sie Todesangst erleidet."

Die Tochter umarmte ihre Eltern, als das Urteil verkündet wurde. Ihr Vater weinte. Sie sei zufrieden, dass der Täter nicht noch einmal zuschlagen könne, sagte Madeleine Pulver: "Es war gut zu hören, dass der Richter das Trauma bestätigte, das der Täter meiner Familie und mir aufgezwungen hat."

hut/AFP/AP/Reuters

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