Bonner Bombenfund: Polizei veröffentlicht Video aus McDonald's-Filiale

Im Fall der Bombe vom Bonner Hauptbahnhof sucht die Polizei nach einem zweiten Mann. Die Person kommt laut Ermittlern als Tatbeteiligter in Betracht. Videobilder zeigen, wie er in einem McDonald's am Bahnhof die mutmaßliche Bombentasche trägt.

Köln - Bei den Ermittlungen zum Bombenfund vom Bonner Hauptbahnhof gibt es Hinweise auf einen zweiten Tatverdächtigen. Die Ermittler suchen neben einem dunkelhäutigen Mann nun auch einen hellhäutigen. Dieser sei auf Videoaufnahmen aus einer McDonald's-Filiale zu sehen, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Der Leitende Kriminaldirektor Norbert Wagner sprach von einer heißen Spur. Der Unbekannte komme als Tatbeteiligter in Betracht. Den Aufnahmen zufolge hielt sich der Mann knapp zehn Sekunden in der McDonald's-Filiale auf und trug eine dunkelblaue Tasche. Es sei davon auszugehen, dass es sich um die Tasche mit der Sprengvorrichtung handele, so Wagner.

Am Montag war die Tasche an Gleis 1 gefunden worden. Sie enthielt laut Ermittlern ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr sowie vier Butangaskartuschen. Hinzu kamen drei Batterien und ein Wecker, der bei der kontrollierten Sprengung mit einem Wassergewehr zerstört wurde. Die McDonalds-Filiale befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Gleis 1.

Von einem Dumme-Jungen-Streich könne keine Rede sein, sagte Wagner. Die Untersuchungen zur Sprengkraft sind noch nicht abgeschlossen. Die Materialien hätten aber "einen großen und gefährlichen Feuerball" mit beachtlicher Sprengkraft und großer Splitterwirkung entfachen können. Der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum bezeichnete den Sprengsatz als "höchst gefährlich". Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig war, muss noch geklärt werden. Ein Zünder wurde bisher nicht gefunden.

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Bombenfund in Bonn: Metallteile, Gaskartuschen, Batterien
Die Polizei sucht weiterhin den dunkelhäutigen Mann, der laut Zeugenaussagen die Tasche direkt vor die Füße von Jugendlichen geschoben haben und dann weggelaufen sein soll. Der Mann komme sowohl als Zeuge wie auch als Verdächtiger in Betracht, so Wagner.

Die Polizei ist auf Zeugenaussagen angewiesen. Überwachungsbilder vom Bahnsteig gibt es nicht. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen standen die Kameras an den Gleisen just zu dem Zeitpunkt, als die Tasche dort abgelegt wurde, in der sogenannten Grundstellung und waren auf die Notrufsäulen gerichtet. Zudem wurden die Bilder nicht gespeichert. Die Bahn teilte dazu auf Anfrage mit, sie betreibe Videosysteme, "die auch Livebilder in die Leitstellen der Bundespolizei übertragen. Die Bundespolizei legt fest, welche Kamerabilder aufgezeichnet werden". In diesem Fall offenbar keine.

Am Dienstag waren bereits zwei Männer in Gewahrsam genommen worden, darunter der Salafist Omar D., den die Staatsschützer schon länger beobachten. Ein erster Tatverdacht erhärtete sich jedoch nicht, die Männer wurden nach wenigen Stunden wieder freigelassen.

D.s Anwalt Mutlu Günal forderte eine Erklärung der Ermittler. Sein Mandant habe mit der Sache absolut nichts zu tun. "Die Polizei mag mal erklären, woher dieser Tatverdacht kam. Einfach mal einen Unschuldigen festnehmen, das ist nicht so schön", so Günal. Es sei wohl einfach mal "eine Sau durchs Dorf getrieben" worden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren bereits zuvor drei Männer festgenommen worden. Einen Extremisten stellten Fahnder der Polizei nach einer langen Observation schließlich im niederländischen Venlo. Ein Mann wurde am Flughafen Köln/Bonn festgesetzt und einen erwischte es in Trier. Alle drei wurden nach ihren Vernehmungen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen in dem Fall bisher nicht übernommen. Ein terroristischer Hintergrund lasse sich nicht mit ausreichender Sicherheit feststellen, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Die Polizei ermittele weiter in alle Richtungen, sagte der Kölner Polizeipräsident Albers

hut/dpa/dapd

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