Bartra sagt gegen mutmaßlichen BVB-Attentäter aus "Ich hatte Todesangst"

Marc Bartra wurde beim Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund verletzt. Vor Gericht hat der Fußballprofi von Albträumen und Panik berichtet.

Marc Bartra (l), sein Übersetzer Massimo Mariotti und seine Anwälte im Dortmunder Landgericht
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Marc Bartra (l), sein Übersetzer Massimo Mariotti und seine Anwälte im Dortmunder Landgericht


Im Prozess gegen den mutmaßlichen BVB-Attentäter hat Fußballprofi Marc Bartra als Zeuge ausgesagt. Der Spanier, der bei dem Splitterbombenanschlag im April 2017 auf den Bus des Fußballvereins verletzt worden war, leidet eigenen Angaben zufolge bis heute unter den Folgen.

Der 27-Jährige ließ zunächst eine Erklärung verlesen. Darin heißt es: "Ich hatte Todesangst. Ich fürchtete, meine Familie nie wieder zu sehen." Anschließend beantwortete er mit Hilfe einer Übersetzerin Nachfragen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Allein die Nachricht, der Angeklagte Sergej W. werde im Saal sitzen, habe Panik ausgelöst. Er kämpfe zudem mit wiederkehrenden Albträumen: "Der Anschlag hat mein Leben verändert." Später sagte er allerdings, er sei "mental stark: Es geht mir gut."

Auf seiner eigenen Facebook-Seite schrieb er im Anschluss an seine Aussage vor Gericht, dass er sich jetzt stärker fühle: "Der Anschlag konnte mich nicht fertig machen, also kann mich nichts fertig machen. Der Anschlag veränderte mein Leben, weil ich jetzt mit viel mehr Stärke und Kraft lebe."

Bartras Teamkollege Pierre-Emerick Aubameyang wird am Montag laut Anwalt Alfons Becker nicht wie geplant als Zeuge aussagen. Er habe sich krank gemeldet. In einer ärztlichen Bescheinigung wird dem Stürmer vom BVB-Mannschaftsarzt Verhandlungsunfähigkeit "aus medizinischen Gründen" attestiert. Einzelheiten werden nicht genannt.

Oberstaatsanwalt Carsten Dombert bezeichnete die Bescheinigung in einer ersten Reaktion als "äußerst dürftig" und sagte weiter: "Ich finde, das sollte sich die Justiz so nicht bieten lassen." Der Vorsitzende Richter Peter Windgätter teilt diese Einschätzung. Ob Aubameyang für sein Fernbleiben ein Ordnungsgeld auferlegt werde, solle später entschieden werden. Aubameyang steckt seit Wochen in einem anhaltenden Transferpoker, bei dem am Abend eine Entscheidung fallen könnte.

Bartra hatte bei dem Attentat einen offenen Bruch des Unterarms erlitten. Auch ein Polizist war verletzt worden. Der Angeklagte Sergej W. hat den Bombenanschlag gestanden. Er beharrt darauf, dass er damit niemanden töten oder schwer verletzen wollte.

Die Staatsanwaltschaft hat den 28-Jährigen unter anderem wegen 28-fachen versuchten Mordes angeklagt. Laut Anklage wettete W. mit Optionsscheinen auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie. Bei dem Anschlag am 11. April waren insgesamt drei Splitterbomben gezündet worden, als der Mannschaftsbus des BVB gerade am Teamhotel zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco abfuhr.

bbr/dpa/sid

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