Ginter im BVB-Prozess "Wir wussten nicht, was noch kommt"

Fußballprofi Matthias Ginter dachte nach dem Anschlag auf den BVB-Bus daran, seine Karriere zu beenden. Jetzt sagte er vor Gericht als Zeuge aus - und war sichtlich betroffen. 

Matthias Ginter (Mitte) und sein Anwalt Alfons Becker (rechts)
DPA

Matthias Ginter (Mitte) und sein Anwalt Alfons Becker (rechts)


Unter Tränen hat Fußballprofi Matthias Ginter im Prozess zum Anschlag auf den Mannschaftsbus des Bundesligisten Borussia Dortmund ausgesagt. Bei der Abfahrt des Busses am 11. April 2017 am Teamhotel habe es plötzlich einen lauten Knall gegeben, sagte er als Zeuge vor dem Landgericht Dortmund.

Niemand habe gewusst, was wirklich passiert sei, schilderte der 24-Jährige die Situation. "Alle lagen auf dem Boden. Splitter flogen in den Bus. Drinnen war Nebel. Marc (Bartra) hat geschrien. Wir wussten nicht, was noch kommt."

Ginter verließ den BVB nach der Saison und wechselte im Sommer 2017 zu Borussia Mönchengladbach. Sein Wechsel habe aber mit dem Anschlag nichts zu tun gehabt, sagte er, räumte jedoch ein, nach der Attacke mit dem Gedanken gespielt zu haben, seine Karriere zu beenden.

Als Fußballprofi stehe er bei Großveranstaltungen ständig in der Öffentlichkeit. Für einen Moment sei ihm dies zu gefährlich vorgekommen. "Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht, ob es das noch wert ist, sich immer wieder in dieses Risiko zu begeben", sagte Ginter. Er entschied sich jedoch für die Fortsetzung seiner Karriere. "Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Deshalb habe ich nicht das aufgeben wollen, was mir Spaß macht."

Der Angeklagte Sergej W. hat gestanden, vor der Abfahrt des BVB zum Spiel gegen Monaco am 11. April am Teamhotel der Dortmunder drei Sprengsätze gezündet zu haben. Er bestreitet allerdings jegliche Tötungsabsicht. Das Motiv soll Habgier gewesen sein, mutmaßlich wollte Sergej W. mit kreditfinanzierten Put-Optionen nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen.

Die Staatsanwaltschaft wirft W. versuchten Mord in 28 Fällen, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der ehemalige BVB-Innenverteidiger Marc Bartra hatte einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen erlitten, auch ein begleitender Polizist wurde verletzt.

bbr/dpa/sid

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