Weidenfeller im BVB-Prozess "Immer noch betroffen, immer noch schreckhaft"

Mehrere Profis von Borussia Dortmund haben im Prozess gegen den mutmaßlichen BVB-Attentäter ausgesagt. Torwart Roman Weidenfeller sprach von einem "Anschlag auf das Leben".

Roman Weidenfeller im Landgericht Dortmund
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Roman Weidenfeller im Landgericht Dortmund


In Dortmund ist der Prozess zum Anschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund fortgesetzt worden. Mehrere betroffene Spieler und Betreuer sagten als Zeugen vor dem Landgericht Dortmund aus.

"Das ist immer noch ein Thema in der Mannschaft. Ich kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Das war ein Anschlag auf das Leben", sagte Torwart Roman Weidenfeller: "Das hat mein Leben verändert." Er selbst nehme seitdem psychologische Hilfe in Anspruch: "Man ist immer noch betroffen, immer noch schreckhaft."

Kapitän Marcel Schmelzer sagte, er zucke immer noch bei lauten Geräuschen zusammen. "Ich versuche, es wegzuschieben. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt, was für ein Glück wir hatten."

Für den ehemaligen Dortmunder Sven Bender waren der Anschlag und der Umgang damit ein Aspekt für seinen Wechsel zu Bayer Leverkusen. Das traumatische Erlebnis habe auch Einfluss darauf gehabt, größtenteils hätten aber sportliche Gründe den Ausschlag gegeben.

Ex-Trainer Tuchel soll am Nachmittag aussagen

Bender bezeichnete es im Nachhinein als Fehler, dass die Mannschaft am Tag nach dem Bus-Attentat zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AS Monaco angetreten sei. "Für mich wurde das Thema schnell abgehakt. Das war schade, deshalb hat man auch nicht so viel drüber gesprochen", sagte Bender.

Neben Weidenfeller, Schmelzer und Bender sagten auch der inzwischen bei 1899 Hoffenheim spielende Felix Passlack sowie mehrere Mitglieder des Betreuerteams aus. Für den Nachmittag ist Ex-Trainer Thomas Tuchel als Zeuge geladen.

Der Angeklagte Sergej W. hat inzwischen gestanden, vor der Abfahrt des BVB zum Spiel gegen Monaco am 11. April am Teamhotel der Dortmunder drei Sprengsätze gezündet zu haben. Er bestreitet allerdings jegliche Tötungsabsicht. Das Motiv soll Habgier gewesen sein, mutmaßlich wollte Sergej W. mit kreditfinanzierten Put-Optionen nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen.

Die Staatsanwaltschaft wirft W. versuchten Mord in 28 Fällen, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der ehemalige BVB-Innenverteidiger Marc Bartra hatte einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen erlitten, auch ein begleitender Polizist wurde verletzt.

bbr/sid

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