Belgrad - Das Verfahren gegen ein bosnisches Ehepaar, das ein heute 19 Jahre altes deutsches Mädchen schwer misshandelt haben soll, ist kurz nach Prozessbeginn unterbrochen worden. Vor dem Kreisgericht der Stadt Kalesija im Nordosten des Landes griff die leibliche Mutter des Opfers eine Zeugin an und wurde festgenommen. Die Verteidigung stellte gegen den Richter einen Antrag auf Befangenheit. Das Verfahren wurde unterbrochen.
"Die deutsche Botschaft hat gesetzeswidrig Einfluss auf das Verfahren genommen", begründete Verteidiger Faruk Balijagic seinen Befangenheitsantrag. Diplomaten hätten vor Prozessbeginn Absprachen mit dem Gericht getroffen. "Damit hat sich die Botschaft über das Gesetz gestellt", sagte der Anwalt. Die Botschaft in Sarajevo lehnte jede Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Die Staatsanwaltschaft in Tuzla konnte nicht sagen, wann über den Antrag der Verteidigung entschieden wird.
Bettina S. war Mitte Mai in einem Wald bei Kalesija völlig abgemagert und mit zahlreichen Verletzungen entdeckt worden. Ihre Peiniger hatten sie dort versteckt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft war die junge Frau acht Jahre lang "wie eine Sklavin gehalten" und regelmäßig misshandelt worden. Ihre Mutter Christina habe Bettina, die aus einer Beziehung mit einem Deutschen stammte, als Kind ihrem bosnischen Ehemann überlassen, der noch mit einer anderen Frau rechtmäßig verheiratet war. Gegen diesen 52-jährigen Bosnier und dessen bosnische Frau läuft jetzt das Gerichtsverfahren. Beide Angeklagten bezeichnen sich als unschuldig.
Das Mädchen war laut Anklageschrift mit Messern verletzt und zu schwerster Feldarbeit gezwungen worden. An beiden Händen seien ihr vor zwei bis drei Jahren einige Fingerknochen gebrochen worden. Möglicherweise aus reinem Sadismus hatte Bettina S. nach Beobachtungen von Nachbarn wiederholt einen Wagen wie ein Pferd 400 bis 500 Meter weit ziehen müssen. Das Mädchen habe im Viehstall schlafen müssen und soll oft gehungert haben. Die leibliche Mutter hat laut Anklage von den Misshandlungen gewusst, soll aus Angst aber geschwiegen haben.
Der Fall war durch Nachbarn aufgedeckt worden, die den Fall schon vor Jahren den Behörden gemeldet hatten. Da die das Kind jedoch nicht ausfindig machen konnten, wurde nichts unternommen. Erst als die Nachbarn ein Foto von dem Mädchen machen konnten, nahm die Polizei mit Nachdruck die Suche wieder auf und fand es völlig verängstigt in einem Waldversteck. Die junge Frau lebt jetzt in einem Frauenhaus in Tuzla.
ulz/dpa
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