Was passiert ist:
Überall in Boston sei mit massiver Polizeipräsenz und Sicherheitskontrollen zu rechnen, unter anderem im öffentlichen Nahverkehr, teilte das Amt von Bürgermeister Thomas M. Menino mit. "Wer zur Arbeit geht, wird eine deutlich stärkere Polizeipräsenz sehen. Niemand sollte wegen der Nationalgarde und anderer bewaffneter Beamten alarmiert sein", hieß es in der Mitteilung.
US-Präsident Barack Obama versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Er warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen bei der Suche nach möglichen Tätern. Polizei und Geheimdienste ermitteln derzeit in zwei Richtungen: Demnach halten die Fahnder einen Angriff regierungsfeindlicher Gruppen aus dem Inland ebenso für möglich wie einen Anschlag radikaler Islamisten.
"Die Leute sind ziemlich tapfer"
Die Bostoner Polizei erklärte, ihr seien vor den Explosionen keine konkreten Drohungen bekannt gewesen. Die Beamten wurden angewiesen, alle zurückgelassenen Gegenstände in den Straßen als verdächtig einzustufen. Bostons Polizeichef Ed Davis wies Berichte zurück, nach denen ein Tatverdächtiger gefasst worden sei. Es würden mehrere Menschen vernommen, bestätigte Davis lediglich. Er wollte sich auch nicht zu Berichten äußern, nach denen bis zu fünf weitere nicht explodierte Sprengsätze entdeckt worden seien.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte den Luftraum über dem Marathon-Ziel vorübergehend. Der Bostoner Flughafen war von den Beschränkungen aber nicht betroffen. Von dort waren am 11. September 2001 die beiden Maschinen gestartet, die Islamisten in das New Yorker World Trade Center steuerten. Viele weitere US-Städte wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
Die Bomben explodierten am Patriot's Day, dem Gedenktag für den Unabhängigkeitskrieg der USA. Das Massachusetts General Hospital erklärte, es würden in der Notaufnahme 19 Opfer der Explosionen behandelt. Sechs davon befanden sich einer Sprecherin zufolge in kritischem Zustand. Teilnehmer des Marathons und andere Bürger eilten in die Kliniken, um Blut zu spenden. Mehreren Verletzten mussten Ärzten zufolge Gliedmaßen amputiert werden. In einer Kinderklinik wurde ein zweijähriges Kind wegen einer Kopfverletzung behandelt.
Die Patienten mit den schwersten Verletzungen seien alle innerhalb von 15 Minuten eingetroffen, sagt der Chirurg Peter Fagenholz nach sechs Operationen. Bei einigen Opfern würden in den kommenden Tagen weitere Eingriffe nötig werden, sagt er. "Die Leute sind ziemlich tapfer. Es ist eine furchtbare Situation und die meisten Patienten haben die Einstellung: 'Tun Sie was nötig ist, damit es mir besser geht'."
Keine Hinweise auf deutsche Opfer
Im Internet werden Listen von Bürgern zusammengetragen, die ihre Häuser für gestrandete Läufer öffnen. Restaurants in der Umgebung bieten auf Twitter unter dem Hashtag #bostonhelp kostenlos Essen, Trinken, Internet-Zugänge und einen Ort an, das Handy aufzuladen - "oder wenn man einfach nicht allein sein will". Die Zeitung "Boston Globe" berichtet von Pastoren, die mit der Bibel in der Hand auf der Commonwealth Avenue Betroffene trösten. "Die Menschen sind gut", erklärt der Läufer Ali Hatfield aus Missouri auf Twitter, der von einer Frau in ihrem Haus mit Getränken versorgt wird.
"Mit Entsetzen habe ich die Nachrichten von den Anschlägen in Boston verfolgt", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie übermittelte den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl und den Verletzten Genesungswünsche. "Nichts rechtfertigt einen so heimtückischen Angriff auf Menschen, die sich zu einer friedlichen Sportveranstaltung zusammengefunden hatten."
Die Bundesregierung hat keine Hinweise darauf, dass bei dem Anschlag auch Deutsche zu Schaden gekommen sind. Dies teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mit. Traditionell sind unter den rund 23.000 Teilnehmern des Boston-Marathons auch viele Deutsche, in diesem Jahr sollen 247 am Start gewesen sein.
Das Auswärtige Amt verwies zugleich auf eine Empfehlung der Behörden in Boston, öffentliche Plätze zu meiden und zu Hause zu bleiben, auf öffentliche Verlautbarungen zu achten und sich informiert zu halten. Die deutsche Botschaft in Washington und das Generalkonsulat in Boston stünden mit den US-Stellen in Kontakt.
wit/Reuters/AP/dpa
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