01. Mai 2013, 23:58 Uhr

Anschlag in Boston

Drei Verdächtige werden Haftrichter vorgeführt

Falschaussage und Behinderung der Ermittlungen - so lauten die Vorwürfe gegen drei Studenten, die das FBI im Zusammenhang mit dem Boston-Anschlag festgenommen hat. Vor dem Haftrichter stritten die drei Männer jedoch jede Schuld ab.

Boston - Die jungen Männer, die Spuren eines der beiden mutmaßlichen Attentäter von Boston verwischt haben sollen, bleiben zunächst in Untersuchungshaft. Die drei Verdächtigen, die am Nachmittag überraschend in Boston festgenommen worden waren, erschienen am Mittwoch erstmals vor Gericht, wo ihnen eine Verschwörung zur Behinderung der Justiz sowie Falschaussage in einer Terrorermittlung vorgeworfen wurden. Zwei 19-jährige Kasachen sollen Medienberichten zufolge bis zu ihrer nächsten Anhörung am 14. Mai weiter festgehalten werden. Ein gleichaltriger US-Bürger bleibt demnach zunächst bis zu einer Anhörung am kommenden Montag in Untersuchungshaft. Wie die Nachrichtenagentur AP meldet, haben die drei Beschuldigten darauf verzichtet, gegen eine Kaution frei zu kommen.

Die beiden Kasachen studierten an der gleichen Universität wie der mutmaßliche Bombenleger Dschochar Zarnajew, der US-Verdächtige war ein Schulfreund. Laut US-Justiz wollten die drei Männer Zarnajew decken, als sie ihn auf nach den Anschlägen veröffentlichten Fahndungsfotos erkannt hatten. Sie sollen einen Laptop und einen Rucksack mit entleerten Feuerwerkskörpern aus Zarnajews Wohnheim-Zimmer mitgenommen und entsorgt haben. Die Ermittler fanden die Beweismittel später auf einer Mülldeponie.

Der Vorwurf gegen die beiden Kasachen lautet Verschwörung zur Behinderung der Justiz, ihnen droht bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Der US-Bürger wird beschuldigt, die Ermittler angelogen zu haben. Dafür könnte er bis zu acht Jahre ins Gefängnis kommen. Über eine mögliche Anklage vor einem Bundesgericht muss eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern befinden.

Bei der Attacke auf den Bostoner Marathon waren am 15. April drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden. Als mutmaßliche Täter identifizierten die Ermittler Dschochar Zarnajew und seinen älteren Bruder Tamerlan. Das aus einer tschetschenischen Familie stammende Brüderpaar lebte seit Jahren legal in den USA. Tamerlan wurde auf der Flucht getötet, Dschochar schwer verletzt gefasst. Ihm droht bei einem Prozess vor einem Bundesgericht die Todesstrafe.

ade/afp/AP/Reuters/dpa


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