Wilderei in Botswana Empörung über getötete Elefanten

In kaum einem Land Afrikas lebten Elefanten bisher so sicher wie in Botswana. Tierschützer haben nun gemeldet, Dutzende Tiere seien getötet worden. Über das Ausmaß der Wilderei gibt es allerdings stark unterschiedliche Angaben.

Elefanten in Afrika
DPA

Elefanten in Afrika


Wilderer sollen in Botswana zahlreiche Elefanten getötet haben. Wildschützer entdeckten bei einer Zählung der Elefanten-Population aus der Luft nach eigenen Angaben etwa 90 getötete Tiere. Laut der Tierschutzorganisation Elephants Without Borders waren den Tieren die Stoßzähne abgenommen worden.

"Das Wildern von Elefanten hat ein Ausmaß erreicht, wie ich es bisher in Afrika noch nicht gesehen habe", sagte der Direktor von Elephants Without Borders, Mike Chase. Mitte Juli habe seine Organisation mit der Zählung der Elefanten-Population begonnen. "Jeden Tag zählen wir mehr tote Elefanten", sagte Chase.

An den von der Organisation genannten Zahlen gibt es Zweifel. Botswanas Regierung reagierte auf den Bericht und teilte mit, es seien 53 tote Tiere gewesen, die meisten seien aufgrund natürlicher Ursachen gestorben. Allerdings wurde dies auch wieder relativiert; Tourismusminister Tshekedi Khama sagte, viele der Tiere seien von Wilderern getötet worden.

Rund 135.000 Elefanten im Land

Die "New York Times" berichtete indes Ende September, die Regierung habe in einem Nationalpark 19 tote Elefanten gefunden, nur ein knappes Drittel davon sei von Wilderern getötet worden. Der Rest sei eines natürlichen Todes gestorben oder im Konflikt mit Dorfbewohnern getötet worden. Wissenschaftler kritisierten zudem, dass Elephants Without Borders sich aufgrund einer Betrachtung aus dem Flugzeug heraus auf Wilderei als Todesursache festgelegt habe.

Botswana galt laut Chase bislang als relativ sicher für Elefanten. In dem Land leben etwa 135.000 der 415.000 Elefanten in Afrika. Nachdem die Tiere in den Nachbarländern Angola und Sambia fast ausgestorben seien, wichen nun viele Wilderer nach Botswana aus, sagte Chase.

Der Tierschützer kritisierte, dass Botswana Anfang des Jahres seine Wildhüter entwaffnet habe. Zuvor hätten Wilderer damit rechnen müssen, erschossen zu werden. Nach der Entwaffnung sei die Wilderei stark angestiegen. Motiviert werden die Wilderer auch von den hohen Erlösen, die Elfenbein vor allem in Asien erzielt. Es gibt allerdings Experten, die sagen, dass das Militär im Kampf gegen Wilderei weitaus wichtiger sei als die bewaffneten Wildhüter.

"Dramatische Entwicklung"

Die Umweltschutzorganisation WWF hatte sich nach dem ersten Bericht entsetzt gezeigt. "Dieser beispiellose Angriff zeigt, wie erbarmungslos die hochgerüstete Wildtiermafia vorgeht", sagte WWF-Referentin Katharina Trump. "Afrika hat in nur einem Jahrzehnt über 100.000 seiner Elefanten verloren." Dies sei "eine dramatische Entwicklung, die wir dringend stoppen müssen". Nachdem die Zweifel laut geworden waren, ergänzte der WWF sein Statement: Es sei schwer zu beurteilen, welcher Quelle mehr Glauben zu schenken sei. Unstrittig sei aber, dass die Wilderei im südlichen Afrika zuletzt deutlich zugenommen habe.

Botwana hatte unter dem früheren Präsidenten Ian Khama - der eng mit Elephants Without Borders verbunden war - 2013 die Großwildjagd verboten. Dafür hatte das Land von Tierschutzorganisationen viel Lob bekommen. Allerdings gab es auch Kritik, weil Jagdlizenzen für Einheimische eine wichtige Einnahmequelle waren. Khamas Nachfolger Mokgweetsi Masisi hat laut "New York Times" eine neue Debatte über das Verbot angestoßen, wohl auch, um Wählerstimmen im ländlichen Raum zu gewinnen.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Elfenbeinjäger hätten rund 90 Elefanten getötet. An dieser Angabe gibt es Zweifel. Der Text wurde aktualisiert und ergänzt, um dem Rechnung zu tragen.

bam/AFP

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