Fall Tunahan Keser Schwerverbrecher soll Hamburger Boxer erschossen haben

Die Polizei geht davon aus, dass sie den Mörder des Hamburger Boxers Tunahan Keser kennt. Doch der Fall ist damit nicht gelöst.

Tunahan Keser
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Tunahan Keser

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Im Fall des ermordeten Boxers Tunahan Keser hat die Polizei Itzehoe nach einem Aufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" Dutzende Hinweise erhalten. Eine heiße Spur sei aber nicht darunter, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Der 22-jährige Keser war am 21. Juli 2017 nahe der Raststätte Holmmoor-Ost an der Autobahn 7 erschossen aufgefunden worden. Sie liegt in nördlicher Richtung kurz hinter Hamburg.

Der Fall ist ungeklärt, obwohl die Polizei davon ausgeht, dass sie den Täter kennt. Es handele sich um Frank Lindner, einen 58-jährigen Schwerverbrecher, der im Februar im Gefängnis Suizid beging, teilte die Polizei mit. Er war kurz nach Silvester festgenommen worden, weil er eine 76-Jährige in ihrem Haus überfallen hatte. Lindner lebte etwa zwei Kilometer von der Raststätte Holmmoor entfernt.

Kein eigenes Motiv

Auf seinem Grundstück fand die Polizei Munitionsteile, deren Größe zu dem Mordfall Keser passt, so der Polizeisprecher. Die Tatwaffe, ein seltenes Modell, habe man noch nicht sicherstellen können.

Der Leiter der Mordkommission, Marco Klein, sagte im ZDF, man habe bei Lindner kein eigenes Motiv feststellen können - und suche nun Hintermänner. "Wir ermitteln gegen Mittäter und Auftraggeber." Demnach war Lindner wohl ein Auftragsmörder. Die Polizei veröffentlichte jetzt sein Foto, um Zeugen zu finden, die über Lindners Kontakte Auskunft geben können.

Tunahan Keser verschwand am 23. Juni 2017 zunächst spurlos. Damals verließ er in seinem Maserati um 17.15 Uhr seine Arbeitsstelle im Norden von Hamburg. Inzwischen konnten Spezialisten der Polizei die letzte Autofahrt rekonstruieren. Keser fuhr demnach um 17.32 Uhr in Holmmoor ab und parkte den Wagen in einem nahen Waldstück. Kurz darauf geschah der Mord.

Frank Lindner
Polizei Itzehoe

Frank Lindner

Der Maserati wurde zurückgefahren und um 18.04 Uhr in Hamburg geparkt - 120 Meter von Kesers Arbeitsstelle entfernt. Wer damals am Steuer saß, sei unklar, sagte der Polizeisprecher.

Offen ist auch der Hintergrund einer zweiten Gewalttat, die für den Fall bedeutsam sein könnte. Wenige Stunden vor Kesers Tod schoss ein Unbekannter auf Koren Ghevor, Kesers Boxtrainer. Der Schuss traf Ghevor in der Kniekehle. "Wir müssen davon ausgehen, dass das kein Zufall war", sagte Hauptkommissar Klein.

Die Familie des toten Boxers geht davon aus, dass der Schlüssel zur Tat in der Boxszene liegt. "Eine andere Erklärung finden wir nicht", sagte Vater Cemil Keser im Januar dem SPIEGEL. "Niemand war so böse auf uns, dass er Tunahan etwas antut." (Lesen Sie mehr bei SPIEGEL Plus).



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