Brandkatastrophe von Backnang: Bewohner lösten Feuer vermutlich selbst aus

Brand in Backnang (10. März): Offenbar kein technischer Defekt als Ursache Zur Großansicht
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Brand in Backnang (10. März): Offenbar kein technischer Defekt als Ursache

Eine türkische Mutter und sieben ihrer Kinder kamen bei einem Wohnhausbrand in Backnang ums Leben. Ursache der Tragödie war laut Staatsanwaltschaft wohl sorgloser Umgang der Bewohner mit Feuer - und nicht wie zunächst vermutet ein technischer Defekt.

Stuttgart - Entgegen ersten Annahmen ist die Brandkatastrophe im schwäbischen Backnang mit acht Toten im März 2013 wohl versehentlich von den Bewohnern des Hauses selbst ausgelöst worden. Ein zunächst vermuteter technischer Defekt könne ausgeschlossen werden, sagte der Leiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Siegfried Mahler. Das hätten auch Sachverständige des Forensischen Instituts Zürich bestätigt.

Sämtliche Befunde der Brandermittler deuten demnach darauf hin, dass es entweder durch den fahrlässigen Umgang mit offenem Feuer oder mit einem glimmenden Gegenstand - möglicherweise einer Zigarette - zu dem Brand gekommen sei. Kerzen hatten die Bewohner nach eigenen Angaben nicht verwendet.

Es habe zunächst einen Schwelbrand auf einer Schlafcouch gegeben, der sich zu einem offenen Flächenbrand ausgeweitet habe. Ein fremdenfeindlicher Anschlag sei ausgeschlossen. "Wir wissen definitiv, dass beide Türen zum Zeitpunkt des Brandausbruches von außen verschlossen waren, es kann kein Molotowcocktail in die Wohnung geworfen worden sein", sagte der Leiter der Kriminalpolizei Waiblingen, Thomas Schöllhammer.

Besonders tragisch sei gewesen, dass die Familie den zunächst kleinen Schwelbrand unterschätzte und versuchte, das Feuer selbst zu löschen. "Ich denke, es hätte Möglichkeiten zur Rettung der Kinder und ihrer Mutter gegeben", sagte Mahler.

Nach dem Ausbruch des Feuers habe die Großmutter ihren Sohn im Nebenzimmer geweckt und gemeinsam mit ihm versucht, das Feuer mit Kochtöpfen zu löschen. Nachdem dies nicht gelungen sei, hätten sich die Flammen trichterförmig nach oben ausgebreitet. "Die vier Jungen in dem hinteren Zimmer sind im Schlaf erstickt und haben von dem Feuer gar nichts mitbekommen", so Schöllhammer.

Bei dem Brand vor rund vier Wochen waren eine aus der Türkei stammende 40-jährige Mutter und sieben ihrer zehn Kinder ums Leben gekommen. Die Großmutter und zwei weitere Menschen überlebten. Die Opfer waren zur Bestattung in die Türkei überführt und dort erneut obduziert worden.

Das Feuer führte auch zu politischen Diskussionen: Der türkische Vizepremier Bekir Bozdag forderte eine lückenlose Aufklärung. Nach einem weiteren Feuer mit türkischen Opfern in Köln stellte Bozdag öffentlich Verlautbarungen der deutschen Behörden in Frage. Rechtsextreme Hintergründe würden bei Feuern zu schnell ausgeschlossen, so der Vizepremier.

Die Polizei hatte zunächst einen Holzofen in der Wohnung sowie elektrische Leitungen als mögliche Brandursache in Betracht gezogen.

hut/dpa

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