Brandanschläge auf Autos Berliner Gericht spricht 21-Jährige frei

Nach fünf Monaten Untersuchungshaft hat das Amtsgericht Tiergarten eine junge Frau vom Vorwurf der versuchten Brandstiftung freigesprochen und eine Entschädigung angeordnet. Alexandra R. stand im Verdacht, im Mai ein Auto angezündet zu haben.


Berlin - Die Staatsanwaltschaft hatte der 21-Jährigen, die der linksautonomen Szene nahe steht, vorgeworfen, am 18. Mai einen Geländewagen im Stadtteil Friedrichshain angezündet zu haben. Alexandra R. soll laut Anklage einen Grillanzünder auf den Reifen des Autos gelegt haben. Bevor das Feuer auf den Wagen übergreifen konnte, seien die Grillkohleanzünder von zufällig vorbeifahrenden Polizeibeamten entfernt worden.

Das Gericht ist nun zu der Überzeugung gekommen, dass R. die Tat nach der durchgeführten Beweisaufnahme nicht nachzuweisen war. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert - und kassierte mit dem Freispruch eine deutliche Niederlage.

Es gebe "erhebliche Zweifel", ob die Frau die Täterin sei, argumentierte Richter Andreas Lach das Ergebnis des Strafverfahrens. Die Staatsanwaltschaft kündigte Berufung an. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

In Berlin wurden seit Jahresbeginn mehr als 250 Autos durch Brandstiftung zerstört oder beschädigt. Für etwa die Hälfte der Brandanschläge soll die linksextreme Szene verantwortlich sein. Die Täter zünden die Fahrzeuge im Schutz der Dunkelheit an.

Ein Polizist hatte das Geschehen im Mai beobachtet. Im Prozess erklärte der Beamte, er habe das Gesicht etwa eine Sekunde im Vorbeifahren gesehen und sei völlig sicher, Alexandra R. wiedererkannt zu haben. Bei der jungen Frau entdeckte die Polizei zudem einen Sprühkopf, der zu Sprühdosen passte, die am Tatort gefunden wurden. Außerdem fanden die Ermittler in der Wohnung der 21-Jährigen Grillanzünder, Handschuhe und gesammelte Zeitungsausschnitte über Brandstiftungen.

Dem Gericht reichten diese Indizien aber nicht zu einer Verurteilung.

Es seien aufgrund der Aussage des Polizeibeamten Zweifel aufgekommen, ob ein "sicheres Widererkennen" vorliege, erklärte der Vorsitzende. Der Zeuge habe von schlechten Lichtverhältnissen am Tatort gesprochen und sei am Anfang von einer männlichen Person ausgegangen. An der Frau seien keine Spuren gefunden worden, auch lagen in der Nähe keine Handschuhe.

Die gefundenen Sprühdosen seien leer und nicht benutzt worden. Die Anzünder aus der Wohnung seien ein Massenprodukt, das für einen Tatnachweis nicht ausreiche. In der Sammlung der Zeitungsartikel sah das Gericht eine mögliche Sympathie zu den Taten, die aber keinen Schluss auf eine Beteiligung an konkret dieser Tat zulasse. Die Angeklagte hatte im Prozess geschwiegen.

han/dpa



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