Anschlag in Berlin-Kreuzberg Suche nach dem Moschee-Brandstifter

Die Anwohner ahnten es sofort: Zwei Wochen nachdem eine Moschee in Berlin-Kreuzberg ausbrannte, steht für die Polizei jetzt fest, dass es Brandstiftung war. Unklar ist: War es ein Pyromane oder ein Islamhasser?

Ausgebrannte Räume der Mevlana-Moschee in Berlin: "Das Motiv liegt völlig im Dunkeln"
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Ausgebrannte Räume der Mevlana-Moschee in Berlin: "Das Motiv liegt völlig im Dunkeln"


Berlin - Die Muslime in Kreuzberg vermuteten es sofort. Als am Montag vor zwei Wochen um kurz vor 23 Uhr die Feuerwehr ausrückte, um den Brand an der Mevlana-Moschee zu löschen, machte schnell das Wort "Anschlag" die Runde.

Wenige Tage nach dem verheerenden Feuer verlegten Hunderte Gläubige ihr Freitagsgebet auf die vielbefahrene Skalitzer Straße - und verwandelten das Gebet in eine Demonstration gegen Islamfeindlichkeit.

Die Berliner Polizei hielt sich dagegen lange zurück, schloss zunächst einen technischen Defekt als Grund für den Brand nicht aus. Doch inzwischen sind sich auch die Ermittler sicher, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. "Wir gehen von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus", sagte LKA-Chef Christian Steiof am Mittwoch SPIEGEL ONLINE.

Von dem - oder den Tätern - fehlt allerdings weiter jede Spur. Weder fand die Polizei ein Bekennerschreiben, noch wurden Hassparolen an die Wand der Moschee gekritzelt. "Das Motiv liegt noch völlig im Dunkeln", sagte Steiof. "Von einem Pyromanen bis zu einem politisch motivierten Täter ist alles denkbar."

Ausgebrochen war das Feuer in einem noch nicht fertiggestellten Anbau der Mevlana-Moschee in der Nähe des Kottbusser Tors, im Herzen des multikulturellen Kreuzbergs. Offenbar hat der Täter mithilfe eines Brandbeschleunigers herumliegende Baumaterialien angezündet. Der Rohbau brannte innen komplett aus, die Fassade wurde völlig verrußt.

Als SPD-Chef Sigmar Gabriel am vergangenen Wochenende über den Ort des Unglücks stapfte, sprach er bereits unverblümt von einem "Attentat". Ein Brandanschlag auf ein Gotteshaus sei immer zugleich "ein Anschlag auf das Zentrum der Gesellschaft", sagte der Vizekanzler.

Gabriels Besuch sollte auch ein Zeichen sein. Denn die Zahl der Attacken auf Moscheen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren beunruhigend erhöht.

Im Juni veröffentlichte die Bundesregierung eine Auflistung aller Attacken gegen muslimische Gotteshäuser, von Schmierereien über Drohungen bis zur Brandstiftung. 78 solcher Übergriffe gegen Moscheen gab es demnach zwischen Januar 2012 und Frühjahr 2014 (siehe Karte unten). Das sind im Monat durchschnittlich fast drei Attacken.

Verglichen mit früheren Angaben der Regierung ist das ein deutlicher Zuwachs: Zwischen 2001 und 2011 gab es im Schnitt ein bis zwei solcher Übergriffe pro Monat.

Übersicht über Attacken auf Moscheen zwischen Januar 2012 und Frühjahr 2014:

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