Brandanschlag in Nauen Angeklagte gestehen Angriff auf Flüchtlingsheim

Vor dem Landgericht Potsdam hat die Verhandlung gegen sechs Neonazis begonnen. Sie sollen 2015 eine Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg in Brand gesetzt haben. Zwei der Angeklagten sind geständig.

Das Justizzentrum in Potsdam (Archivbild)
DPA

Das Justizzentrum in Potsdam (Archivbild)


Wegen des Brandanschlags auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen stehen sechs Neonazis in Potsdam vor Gericht. Als Rädelsführer ist der NPD-Kommunalpolitiker Maik Schneider angeklagt. Zu Prozessbeginn legten zwei der Angeklagten umfassende Geständnisse ab.

Ein 33-jähriger Wachmann schilderte in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung, wie er im August 2015 Fässer mit Öl und Benzin sowie eine Propangasflasche vor die Sporthalle geschafft hätte. Alle Anweisungen zu dem Brandanschlag habe der NPD-Politiker Schneider gegeben.

Ein weiterer Angeklagter erklärte, Schneider habe die Idee zu dem Anschlag gehabt und die Vorbereitungen gesteuert. Am Abend vor der Tat habe er beobachtet, wie Schneider und weitere Angeklagte Reifen in einen Transporter geladen hätten. "Bei den Reifen war mir definitiv klar, dass sie zum Anzünden der Halle genutzt werden sollen", sagte der 32-Jährige.

Schneider habe ihn dann angewiesen, auf mögliche Polizeistreifen zu achten. Daraufhin sei er mehrfach durch die Stadt gefahren, sagte der Angeklagte. Als er dann aus der Ferne die Flammen aus der Sporthalle habe lodern sehen, habe er gedacht: "Krass, wie das brennt."

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Begehung von Straftaten mit ausländerfeindlichem Hintergrund vor, außerdem schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung.

Bereits vor dem Anschlag 2015 soll einer der Angeklagten auf der Baustelle einer geplanten Flüchtlingsunterkunft eine mobile Toilette in Brand gesetzt haben. Auch ein Farbbeutelanschlag auf ein Büro der Partei Die Linke, ein Brandanschlag auf ein Auto, die Störung einer Stadtverordnetenversammlung in Nauen sowie weitere Taten sollen auf Mitglieder der Gruppe zurückgehen. Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt.

cnn/dpa/AFP

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