Mutmaßlicher Missbrauch einer 13-Jährigen Zu Hause gefangen

Eine 13-Jährige wird vermisst, ihre Eltern bitten um Hilfe. Dann finden Ermittler das Mädchen - im Haus der Mutter. Sie und ihr Partner sollen das Kind sexuell missbraucht haben.

Oderwiesen in Brandenburg (Symbolbild)
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Oderwiesen in Brandenburg (Symbolbild)

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Norman B. mag die Inszenierung. "Theater hilft einem, sich selber zu spüren", sagte er 2012 in einem Interview. Damals hatte er lokalen Medien zufolge eine Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung abgesessen und im Berliner Gefängnistheater mitgespielt.

Heute, sechs Jahre später, ist der 46-Jährige wieder hinter Gittern. Und wieder, darauf deuten die Ermittlungen hin, war er an einer Inszenierung beteiligt. Einer bizarren Aufführung, in deren Mittelpunkt ein 13-Jähriges Mädchen und ihr angebliches Verschwinden steht. Und ein schrecklicher Verdacht: Die 13-Jährige soll von der eigenen Mutter und deren Partner Norman B. weggesperrt und sexuell missbraucht worden sein.

Franziska, so heißt das Kind, wurde am 5. Oktober 2017 das letzte Mal gesehen. Das Mädchen verschwand der Polizei zufolge nach einem Arztbesuch in Cottbus. Die Ermittler wendeten sich an die Öffentlichkeit, baten um Hinweise.

Das taten auch Franziskas Eltern. Monika R. und ihr Lebensgefährte Norman B., den das Mädchen "Papa" nannte, äußerten sich in der "B.Z.". Sie präsentierten sogar einen Brief, in dem Franziska angeblich erklärt, warum sie verschwunden ist.

"Ich halte es nicht aus"

"Ich halte es im Heim nicht mehr aus", steht laut dem Bericht in dem Brief. Sie werde erst wieder auftauchen, wenn sie und ihre Schwester wieder bei den Eltern leben dürften.

Vor neun Jahren war Franziska der "B.Z." zufolge aus der Familie genommen worden. Es gab Probleme, der Vater war Alkoholiker, die Mutter mit der Erziehung überfordert. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus bestätigt das.

Schon früh vermuteten die Ermittler, dass Franziskas Mutter und ihr Partner etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hatten. Es gab Zeugen, die das Kind bei der Wohnung der Eltern gesehen haben wollen.

Zehn Tage nach ihrem Verschwinden durchsuchten Polizisten die Wohnungen der Mutter und ihres Lebensgefährten in Groß Schacksdorf in Brandenburg, an der Grenze zu Polen. Doch sie fanden das Kind nicht. Auch eine zweite Durchsuchung am 14. November führte die Polizisten nicht zu der 13-Jährigen.

Dabei war Franziska offenbar die ganze Zeit da.

Die Ermittler gehen heute davon aus, dass das Mädchen von der Mutter und B. in einer der Wohnungen versteckt wurde. Wo genau, das will die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus nicht sagen. Dass sie in einen Schrank gesperrt wurde, wie andere Medien berichten, sei nicht richtig.

"Objektive Hinweise"

Am vergangenen Sonntag durchsuchten Polizisten die Wohnungen ein drittes Mal. Und diesmal fanden sie das Mädchen, es sei nicht versteckt gewesen, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Franziska seit Oktober in der Wohnung festgehalten wurde. Und nicht nur das: Man habe "objektive Hinweise", dass die Mutter und ihr Partner die 13-Jährige sexuell missbrauchten. Details zu den Hinweisen nannte die Staatsanwältin nicht.

Dass die Polizei ein drittes Mal die Wohnungen durchsuchte, ist auch Zeugen zu verdanken. Anfang März verdichteten sich laut Staatsanwaltschaft die Hinweise, dass Franziska noch bei ihren Eltern sei. Mehrere Menschen hätten sich gemeldet, eine Person sogar mehrfach.

Norman B. und Monika R. sitzen nun in Untersuchungshaft. Er bestreitet der Staatsanwaltschaft zufolge die Vorwürfe. Die 52-jährige R. hat sich geäußert - zum Inhalt der Aussagen macht eine Sprecherin der Behörde keine Angaben. Die Ermittlungen dürften noch einige Zeit dauern, allein die Auswertung von beschlagnahmten Computerdaten wird laut Staatsanwaltschaft etwa zwei Monate dauern.

Als die Ermittler Franziska fanden, hatte sie geschnittene, rot gefärbte Haare. Auf den Fahndungsfotos trug sie noch lange, blonde Haare. Die Verdächtigen versuchten offenbar, Franziska unkenntlich zu machen. Sie ist jetzt wieder in Obhut des Jugendamtes.

Mit Material der dpa



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