Carandirú-Massaker Brasilianische Polizisten zu je 48 Jahren Haft verurteilt

111 Häftlinge starben 1992 bei der Niederschlagung einer Revolte im berüchtigten Carandirú-Gefängnis. Jetzt hat ein Gericht in São Paulo 15 Militärpolizisten wegen Mordes zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Durchsuchung von Häftlingen im Carandirú-Gefängnis (bei einer weiteren Revolte im Jahr 2001)
REUTERS

Durchsuchung von Häftlingen im Carandirú-Gefängnis (bei einer weiteren Revolte im Jahr 2001)


São Paulo - Wegen der blutigen Niederschlagung einer Gefängnisrevolte vor mehr als 20 Jahren sind 15 brasilianische Militärpolizisten zu jeweils 48 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in São Paulo befand sie des Mordes an acht Häftlingen für schuldig. Damit ist der Prozess gegen insgesamt 79 Polizisten in diesem Fall abgeschlossen.

Bei dem Aufstand im Carandirú-Gefängnis von São Paulo waren im Oktober 1992 insgesamt 111 Häftlinge getötet und 87 weitere verletzt worden. Polizisten kamen nicht zu Schaden. Der Prozess war das letzte von vier Verfahren gegen die Angeklagten.

Im April 2013 waren im ersten Prozess 23 Polizisten zu einer Gefängnisstrafe von jeweils 156 Jahren verurteilt worden. Im August 2013 wurde eine Haftstrafe von jeweils 624 Jahren gegen weitere 25 Polizisten verhängt. Das dritte Verfahren endete im März mit neun Haftstrafen in Höhe von jeweils 96 Jahren sowie einer Verurteilung zu 104 Jahren Gefängnis. Nach brasilianischem Recht werden die Verurteilten höchstens 30 Jahre hinter Gittern verbringen.

Schlägerei zwischen Häftlingen eskaliert

Die Verteidigung berief sich darauf, dass die Polizisten in Notwehr handelten, während die Anklage es als erwiesen ansah, dass die Häftlinge gezielt getötet wurden. Der Kommandeur bei der Niederschlagung der Revolte, Oberst Ubiratan Guimarães, wurde im Jahr 2001 zu 632 Jahren Haft verurteilt. Der Richterspruch wurde aber später wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Guimarães wurde 2006 tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Zu dem Aufstand war es in dem überfüllten Gefängnis gekommen, nachdem eine Schlägerei zwischen rivalisierenden Häftlingen eskaliert war. Die Revolte tobte drei Stunden lang. Am Ende betraten mehr als 300 Polizisten die Haftanstalt und schossen in etwa 30 Minuten mehr als hundert Insassen nieder. Autopsien ergaben später, dass die Todesopfer im Durchschnitt fünf Schussverletzungen aufwiesen.

Das 2002 abgerissene Gefängnis galt zum Zeitpunkt des Aufstands mit 8000 Insassen als größte Haftanstalt Lateinamerikas.

rls/AFP/AP



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