Gefängnis in Brasilien Hunderte Häftlinge meutern und enthaupten zwei Geiseln

Mit äußerster Brutalität haben Häftlinge im südbrasilianischen Cascavel die Kontrolle über ein Gefängnis gewonnen. Laut Polizei nahmen die Aufständischen mehrere Geiseln. Hinter der Meuterei wird ein mächtiges Verbrechersyndikat vermutet.

Gefängnismeuterei in Brasilien: Vermummte Aufständische auf dem Dach der Haftanstalt in Cascavel
AFP/CGN

Gefängnismeuterei in Brasilien: Vermummte Aufständische auf dem Dach der Haftanstalt in Cascavel


Cascavel - Bei einem Gefangenenaufstand in der südbrasilianischen Stadt Cascavel im Bundesstaat Paraná sind mehrere Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden. Wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Behörden berichtet, gingen die Meuterer mit äußerster Brutalität vor.

Demnach wurden zwei Gefangene enthauptet, zwei weitere wurden vom Dach der Haftanstalt gestoßen. Mindestens einer der Gestürzten sei dabei ums Leben gekommen. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf das Portal G1 von vier Toten.

Der Aufstand habe am Sonntag kurz vor Sonnenaufgang begonnen, als ein Gefängniswächter während des Frühstücks als Geisel genommen wurde, sagte der Chef der Militärpolizei, Ricardo Pinto.

Im Verlauf übernahmen demnach rund 800 Häftlinge die Kontrolle über die Haftanstalt. Sie nahmen mehrere Geiseln, darunter Gefängnismitarbeiter, aber auch Insassen. Dutzende Aufständische kletterten schließlich vermummt auf das Dach des Gebäudes. An Seilen zogen sie ihre Geiseln hinter sich her und misshandelten sie. Unterdessen sammelte sich vor dem Gefängnis eine Menschenmenge, Angehörige warteten auf Informationen über ihre inhaftierten Familienmitglieder.

Offenbar rebellierten die Gefangenen gegen die Zustände in dem Gefängnis. In der Haftanstalt ist für 928 Menschen Platz, zuletzt waren in Cascavel jedoch mindestens 1000 Männer untergebracht. Sie forderten bessere Haftbedingungen, darunter besseres Essen und eine bessere medizinische Versorgung. Mehr als zwölf Stunden lang hätten die Meuternden mit der Polizei verhandelt, erklärte Pinto.

Mehrere Häftlinge auf dem Dach schwenkten Fahnen mit der Aufschrift PCC - mutmaßlich ein Hinweis auf die kriminelle Organisation Primeiro Comando da Capital.

Die Zeitung "Folha de São Paulo" berichtete, das Verbrechersyndikat aus São Paulo stecke hinter der Meuterei. Es gilt als eine der mächtigsten Gangs des Landes und hat schon mehrfach blutige Gefängnisrevolten angezettelt. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Aufstand im Zusammenhang mit der jüngsten Verurteilung zweier Häftlinge steht.

gam/dpa/AP

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