Brasilien Die Räuber sahen aus wie Polizisten

Räuber überfielen ein Lufthansa-Frachtflugzeug an einem brasilianischen Airport und gelangtem zu einem Container voller Bargeld, Mitarbeiter hielten sie für Polizisten. Dann waren die Ganoven weg - mit fünf Millionen Dollar.

Flughafen Viracopos
imago/ Fotoarena

Flughafen Viracopos


Bei einem Überfall auf ein Lufthansa-Frachtflugzeug haben Räuber in Brasilien fünf Millionen Dollar in bar erbeutet. Das berichteten brasilianische Medien unter Berufung auf die Polizei. Eine Sprecherin von Lufthansa Cargo bestätigte den Coup, der nur wenige Minuten gedauert habe. Fünf schwer bewaffnete Männer seien auf das Vorfeld des Flughafens gelangt, wo die Frachtmaschine abgefertigt wurde.

"Es war ein sehr leiser Überfall", sagte die Sprecherin Jacqueline Casini unter Berufung auf Kollegen in Brasilien über den Vorfall. "Es wurde weder gebrüllt noch geschossen." Stattdessen hätten sich die Räuber an das Abfertigungspersonal mit der höflichen Bitte gewandt, sie "würden gerne wissen, wo der Container mit dem Bargeld ist".

Brasilianische Medien hatten berichtet, dass die Täter in einem falschen Fahrzeug der Flughafensicherheit die Absperrungen durchbrochen und mehrere Sicherheitsleute gefesselt hätten.

Im Cockpit blieb der Überfall unbemerkt

Mit ihrer Beute verschwanden die Diebe anschließend so schnell, dass die mit der Vorbereitung des Weiterflugs beschäftigten Piloten gar nichts von dem Überfall auf dem Vorfeld mitbekamen, wie Casini sagte. Nach Beschreibung von Mitarbeitern seien die Räuber "unheimlich professionell aufgetreten", sagte Casini. "Die Mitarbeiter haben im ersten Moment gedacht, dass es sich um Polizisten handelt." Sicherheitspersonal hätte bei einem Werttransport wie diesem auch völlig normal gewirkt. Von den Räubern und ihrer Millionenbeute fehlt seit dem Raub am Sonntagabend jede Spur.

Die Bundespolizei ermittele, bestätigten die Behörden in São Paulo auf Twitter. Der internationale Flughafen Viracopos ist Brasiliens größter Frachtflughafen. Einem brasilianischen Medienbericht zufolge sollte das Geld nach Zürich geflogen werden.

Laut Casini sollte die Maschine über Dakar im Senegal nach Frankfurt am Main fliegen. Zu einem geplanten weiteren Transport des Geldes konnte sie keine Angaben machen. Berichte, nach denen die Räuber in das Flugzeug eingedrungen waren, seien unzutreffend. "Sie hatten keinen Zugang zur Fracht. Alles fand auf dem Vorfeld statt."

Dass so große Summen Bargeld per Luftfracht transportiert werden, sei zwar selten, komme aber vor, sagte Casini. So sei es zum Beispiel bei der Umstellung auf den Euro gewesen oder während der griechischen Finanzkrise. Zur Herkunft des Geldes machte sie keine Angaben. Die Fluggesellschaft wisse über diese von spezialisierten Speditionen organisierten Transporte lediglich das Gewicht und dass es sich beim Containerinhalt um Geld handele. "Da gibt es keine Wertangaben."

cop/dpa



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