Missbrauchsvorwürfe in Brasilien Selbst ernannter Wunderheiler stellt sich der Polizei

Der berühmte Brasilianer João Teixeira de Faria soll Hunderten Frauen Heilung versprochen und sie dann sexuell missbraucht haben. Per Haftbefehl wurde der 76-Jährige gesucht. Nun ließ er sich zur Polizei fahren.

João Teixeira de Faria (M.)
AFP

João Teixeira de Faria (M.)


João Teixeira de Faria hat sich in Brasilien den Behörden gestellt. Fernsehsender zeigten am Sonntag Aufnahmen davon, wie sich der 76-Jährige zum Polizeihauptquartier der Hauptstadt des Bundesstaates Goiás, Goiânia, fahren ließ. In einem von einer Journalistin aufgezeichneten Video sagt er, er stelle sich der "göttlichen Justiz" und begebe sich in die Hände der "irdischen Justiz".

Faria ist ein selbst ernannter Wunderheiler und als "João de Deus" (Johann von Gott) weit über Brasilien hinaus bekannt. Er hat Anhänger in aller Welt. Mehrere brasilianische Präsidenten haben sich an das angebliche Medium gewandt. 2012 besuchte ihn US-Moderatorin Oprah Winfrey, um seinen "Wundern" auf den Grund zu gehen.

Vor rund zehn Tagen waren dann in einer Sendung des brasilianischen Fernsehsenders Globo Missbrauchsvorwürfe gegen Faria laut geworden: Er soll Frauen unter dem Vorwand einer Heilung von Depressionen oder anderen Krankheiten sexuell missbraucht haben. Mehrere Frauen berichteten in der TV-Sendung, der 76-Jährige habe sie unter anderem zum Oralsex gebracht. Er behauptete demnach, dies sei der einzige Weg, um seine "heilende" Energie auf die Frauen zu übertragen.

In den Tagen nach der Ausstrahlung meldeten sich Hunderte Frauen mit ähnlichen Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft spricht von mehr als 330 Frauen aus Brasilien, aber auch aus Deutschland, Australien, Belgien, Bolivien, der Schweiz und den USA. Die Übergriffe sollen sich in Farias "spirituellem Krankenhaus" in Abadiânia nahe der Hauptstadt Brasília zugetragen haben. Der 76-Jährige weist die Vorwürfe zurück.

Die brasilianischen Behörden hatten am Freitag einen Haftbefehl gegen Faria ausgestellt. Er hätte sich bis Samstagnachmittag um 15 Uhr stellen müssen, ließ diese Frist aber zunächst verstreichen.

aar/AFP/AP



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