Tödlicher Brechmitteleinsatz: BGH hebt Freispruch für Arzt auf

Ein mutmaßlicher Drogendealer kam in Polizeigewahrsam ums Leben, nachdem ihm ein Bremer Arzt Brechmittel eingeflößt hatte. Zweimal wurde der Mediziner freigesprochen. Nun lässt der Bundesgerichtshof den Fall noch einmal neu verhandeln.

Bremen - Der Tod eines mutmaßlichen Drogendealers in Polizeigewahrsam muss neu verhandelt werden. Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in Leipzig hob den Freispruch für einen Bremer Arzt auf. Der Mediziner hatte Anfang 2005 einem 35-Jährigen mit Zwang Wasser und ein Brechmittel eingeflößt, um an verschluckte Drogenpäckchen zu gelangen.

Nach Verabreichung des Brechmittels verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Mannes zusehends. Der Mediziner rief daher den Notarzt, setzte die Prozedur jedoch fort. Der mutmaßliche Dealer fiel ins Koma und starb einige Tage später.

Der Gerichtsmediziner habe sich unter Umständen einer "rechtswidrigen vorsätzlichen Körperverletzung" schuldig gemacht, heißt es im BGH-Urteil. (Az.: 5 StR 536/11). Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter in Leipzig der Revision der Mutter des Toten statt. Der BGH verwies den Fall zur Verhandlung zurück an das Bremer Landgericht, das sich nun zum dritten Mal damit befassen muss.

Der Arzt hatte bei der Beweismittelsicherung mit der Polizei zusammengearbeitet. Im ersten Verfahren wurde er freigesprochen, weil er nach Ansicht der Richter zu schlecht ausgebildet und zu unerfahren gewesen sei, um die Folgen seines Handelns abzusehen. Allerdings hatte die Kammer keinen Zweifel daran, dass er "objektiv" für den Tod des mutmaßlichen Dealers verantwortlich war.

Im zweiten Verfahren konnten die Richter nicht mit Sicherheit feststellen, dass der Mediziner die Verantwortung für den Tod des 35-Jährigen trage, und sprachen ihn erneut frei. Doch auch diese Entscheidung hatte vor dem BGH keinen Bestand. Das Fortsetzen des Brechmitteleinsatzes nach dem Notruf stelle eine rechtswidrige Körperverletzung dar. Die Maßnahmen des Arztes hätten den Tod des 35-Jährigen mitverursacht, heißt es im BGH-Urteil. Das Landgericht müsse daher den Fall neu aufrollen und diese Gesichtspunkte mit berücksichtigen.

hut/dapd/dpa/jur

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback