Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verfassungsschutz: Dubiose Informantin lieferte Hinweis zu Bremer Terrorverdächtigen

Von und

Polizisten Ende Februar in Bremen: Großeinsatz nach Terrorwarnung Zur Großansicht
REUTERS

Polizisten Ende Februar in Bremen: Großeinsatz nach Terrorwarnung

60 Maschinenpistolen vom Typ Uzi sollen Verdächtige in Bremen erworben haben. Diesen Tipp bekam der Verfassungsschutz nach Informationen des SPIEGEL von einer dubiosen Quelle. Die Frau wurde den Sicherheitsbehörden zunehmend suspekt.

Bremen - Nach dem Terroralarm in Bremen am 28. Februar mehren sich Zweifel an dem Verdacht, dass Mitglieder des "Islamischen Kulturzentrums" (IKZ) angeblich 60 Maschinenpistolen vom Typ Uzi erworben hatten.

Eine Hinweisgeberin hatte im vergangenen Herbst dem Verfassungsschutz von dem beabsichtigten Waffenkauf berichtet. Die Journalistin erzählte von einem Treffen von zwei Salafisten mit einem Vertreter eines Bremer Familienclans, der der Organisierten Kriminalität zugeordnet wird. Dabei korrigierte sie ihre Angaben mehrfach. Zuerst gab sie an, das Treffen habe am Bahnhof stattgefunden, man habe Arabisch gesprochen. Dann verlegte sie es in ein Shisha-Café, die Sprache sei nicht Arabisch, sondern Deutsch gewesen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Im Januar behauptete die Journalistin, sie habe erfahren, dass die Waffen inzwischen übergeben worden seien. Jede Familie im Umfeld des IKZ sei jetzt mit einer Uzi ausgestattet.

Dem Bremer Landesamt für Verfassungsschutz wurde die Quelle laut SPIEGEL offenbar zunehmend suspekt. "Eine kritische Betrachtung" der Angaben sei angeraten, heißt es in einem Vermerk. Danach gab es jedoch mindestens noch zwei weitere Hinweise auf den Libanesen Mohamed M., auf den auch die Beschreibung der Journalistin passte. Er und sein Bruder wurden festgenommen, aber bald wieder freigelassen. In einer ersten Vernehmung bestritt Mohamed M. die Vorwürfe. Die Brüder wurden danach auch nicht, wie in solchen Fällen üblich, von der Polizei observiert.

Die Bremer Sicherheitsbehörden stehen wegen Pannen während des Anti-Terror-Einsatzes in der Kritik. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) räumte Mitte der Woche ein, das IKZ sei am 28. Februar entgegen der bisherigen Darstellung fünf Stunden lang nicht observiert worden. Polizeipräsident Lutz Müller sprach davon, dass "objektiv eine Sicherheitslücke" entstanden sei.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Polizei an jenem Samstag eine unbescholtene syrische Familie stundenlang festgehalten hatte. Aufgrund eines Zahlendrehers beim Datenabgleich mit französischen Behörden war das Auto der Familie fälschlicherweise durchsucht worden.

Die CDU-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft forderte den Rücktritt des Senators. Fraktionschef Thomas Röwekamp sagte, man habe kein Vertrauen mehr, dass Mäurer "bereit und in der Lage" sei, die Abläufe "widerspruchsfrei und wahrheitsgemäß aufzuklären." Auch die Fraktion der Linken legte Mäurer den Rücktritt nahe.

Logo SPIEGEL

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Den digitalen SPIEGEL finden Sie in den Apps für iPhone/iPad, Android, Windows 8, Windows Phone und als Web-App im Browser.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: