Bremen Langjährige Haftstrafen für Schießerei auf Discomeile

Vor vier Jahren gab es auf der Bremer Discomeile eine Schießerei mit vier Schwerverletzen. Nun sind zwei wegen der Tat angeklagte Männer zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe ist härter als von der Staatsanwaltschaft gefordert.


Bremen - Das Landgericht verurteilte die 29 und 33 Jahre alten Beschuldigten zu sieben und acht Jahren Haft. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Männer im Januar 2006 gezielt auf Personen geschossen haben, wie ein Gerichtssprecher sagte. Der Vorsitzende Richter Klaus-Dieter Schromek sprach von einer "kalten, rücksichtslosen Vorgehensweise". Es sei reiner Zufall gewesen, dass es keine Toten gegeben habe.

An einem Abend im Januar 2006 war es auf der Amüsiermeile in der Nähe des Bremer Bahnhofs zu einer Schießerei in einer Discothek gekommen, die sich später auf die Straße und dann in ein angrenzendes Parkhaus verlagerte. Dabei waren vier Menschen teilweise lebensgefährlich verletzt worden.

Die Tat hatte damals für großes Aufsehen in Bremen gesorgt. Die Discomeile war anschließend in den Fokus der Polizei gerückt und Ort zahlreicher Razzien geworden. Seit 2009 gilt dort ein Waffenverbot. Der Haupttäter der Schießerei war bereits im Dezember 2007 in einem anderen Prozess zu zehn Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Mit den jetzt verhängten Strafen ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte für den 29-Jährigen sechseinhalb Jahre Haft und für den älteren Angeklagten einen Freispruch gefordert. Seine Tatbeteiligung war laut Staatsanwaltschaft nicht geklärt. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Teile der Plädoyers wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten, um die Angeklagten nicht zu gefährden. Hintergrund ist, dass zumindest einer der Angeklagten zur Zeit der Tat V-Mann der Polizei gewesen sein soll.

Während der Urteilsbegründung kam es dem Gerichtssprecher zufolge zu Tumulten. Zwei Zuhörer seien wegen Zwischenrufen des Saales verwiesen worden. Auch einer der Angeklagten habe sich lautstark geäußert und den Richtern Lügen vorgeworfen.

siu/ddp



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