Mordprozess gegen Bremer Raser "Würde alles tun, um es rückgängig zu machen"

Motorradfahrer "Alpi" raste mit mehr als 170 Sachen durch die Stadt. Seine Fahrmanöver veröffentlichte er auf YouTube. Weil er mit seiner Maschine einen Rentner tötete, steht er wegen Mordes vor Gericht.

Der Angeklagte "Alpi" mit einem Verteidiger im Gerichtssaal
DPA

Der Angeklagte "Alpi" mit einem Verteidiger im Gerichtssaal


Vor dem Bremer Landgericht hat der Mordprozess gegen einen 24-jährigen Motorradfahrer begonnen, der im Sommer einen Rentner überfahren und getötet hat. Der unter Bikern mit YouTube-Videos und durch riskante Spritztouren bekannte Mann mit Szenename "Alpi" hatte den 75-jährigen Fußgänger laut Staatsanwaltschaft mit überhöhter Geschwindigkeit erfasst.

"Wenn ich könnte, würde ich alles tun, um es rückgängig zu machen", sagte der Angeklagte zum Prozessauftakt. Er bereue, was passiert sei. Der Fußgänger, der bei Rot über die Straße gegangen war, starb noch am Unfallort. "Alpi" wurde schwer verletzt.

Wie so häufig zuvor soll "Alpi" auch die tödliche Fahrt im Juni mit einer Helmkamera gefilmt haben. Laut Anklage hatte der Mann zudem kurz zuvor ein Auto touchiert - und Fahrerflucht begangen. Schuld am Zusammenstoß mit dem Rentner soll die hohe Geschwindigkeit des Motorradfahrers gewesen sein. Er soll mit Tempo 100 unterwegs gewesen sein, obwohl auf der Straße nur 50 erlaubt waren. Laut Gutachten war die Kawasaki noch beim Aufprall 63 bis 68 Stundenkilometer schnell.

Die Anklage wirft ihm niedere Beweggründe und deshalb Mord vor. Er habe sein Geltungsbedürfnis befriedigen und sich mit der Fahrt einen Kick verschaffen wollen, sagte der Staatsanwalt. Der Mann habe gewusst, dass er bei diesem Tempo nicht ausweichen konnte - habe das aber in Kauf genommen. Es geht um die Frage, wann ein Unfall kein Unfall mehr ist. "Alpi" war zum Teil mit mehr als Tempo 170 in Bremen unterwegs, seine eigenen Videos belegen das.

Raser auf Youtube

Dennoch kommen Raser nach tödlichen Kollisionen häufig noch mit einer milderen Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und dabei regelmäßig mit einer Bewährungsstrafe davon. Bundesrat und Bundesverkehrsministerium wollen daher härter gegen illegale Rennen auf den Straßen vorgehen.

Bereits seit September steht, wahrscheinlich erstmals, ein Autofahrer in Berlin wegen Mordes vor Gericht, nachdem er bei einem illegalen Rennen mit seinem Wagen mitten in der Stadt einen Menschen getötet haben soll. "Alpi" ist nun wohl der erste Motorradfahrer.

Die Ermittler haben die Videos ausgewertet, die "Alpi" in den Monaten vor dem Crash ins Internet gestellt hatte. Darauf zu sehen sind riskante Fahrmanöver und Beinaheunfälle. Mehr als 80.000 Abonnenten hatte der YouTube-Kanal. Außer der Bewunderung der Fans verdiente der Biker mit seiner Raserei auch noch Geld durch Werbung.

Der Anwalt des Mannes sagte, sein Mandant habe den Tod anderer Menschen nicht billigend in Kauf genommen. "Junge Fahrer neigen dazu, Gefahr zu unterschätzen. Häufig geht es gut, manchmal aber führt dies zu tragischen Ereignissen, die niemand gewollt hat."

Unfallort oder Tatort? Schauplatz der Kollision in Bremen
Florian Kater/ wlsga.de

Unfallort oder Tatort? Schauplatz der Kollision in Bremen

apr/dpa



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