Breno-Prozess: "Satan hatte schon von seinem Körper Besitz ergriffen"

Die Frau von Fußballprofi Breno hat im Brandstiftungsprozess gegen den Spieler des FC Bayern die Aussage verweigert. Renata L. vermied damit einen Auftritt vor Gericht. Telefonprotokolle zeigen, dass sie nicht glaubt, ihr Mann habe die gemeinsame Villa absichtlich angezündet.

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Breno vor Gericht: Frau verweigert Aussage

München - Renata L. hat im Prozess gegen den Fußballprofi Breno Borges nicht vor Gericht ausgesagt. Die Frau des Spielers vom FC Bayern habe von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, teilte die Vorsitzende Richterin Rosi Datzmann mit. Brenos Ehefrau erschien damit nicht wie geplant vor dem Landgericht München.

Die Ehefrau des angeklagten Brasilianers war beim Ausbruch des Feuers im September vergangenen Jahres nicht im gemeinsamen Haus in Grünwald. Sie war kurz zuvor mit dem 22-Jährigen offenbar in Streit geraten und mit den drei Kindern weggefahren. Erst als das Gebäude brannte, kehrte sie zurück. Der Staatsanwaltschaft zufolge konnte Breno allerdings nicht wissen, ob seine Familie zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Brandlegung bereits wieder in die Villa zurückgekehrt war.

Telefongespräche, die Renata L. mit guten Freunden nach der Brandnacht geführt hatte, belegen, dass sie ihren Mann weitgehend für unschuldig hält. Am Mittwoch wurden die vollständig übersetzten Telefonprotokolle verlesen. Bei einem früheren Verhandlungstermin hatte es Unmut gegeben, weil die Dolmetscherin beim Übersetzen einzelne Passagen ausgelassen hatte.

In einem der beiden Gespräche betonte L., sie glaube nicht, dass Breno "es irgendwie absichtlich war". Sie berichtete ihrer Freundin, wie verzweifelt ihr Mann am Abend vor dem Brand gewesen sei, wie er getrunken habe und dass sie aus Angst vor ihm mit den Kindern das Haus verlassen habe.

"Er hat sich in einen anderen Menschen verwandelt"

Sie erzählte der Freundin, dass sie mit den Kindern im Auto um das Haus gefahren sei und beobachtet habe, wie Breno immer wieder das Haus verlassen und wieder dahin zurückgekehrt sei, wie er alle Türen geöffnet und plötzlich Flaschen hinausgeworfen habe. "Er hat sich in einen anderen Menschen verwandelt", sagte L. laut Protokoll in dem Telefonat. "Satan hatte schon von seinem Körper Besitz ergriffen." Nach dem Brand habe Breno gesagt: "Wenn ich festgenommen werde, ist mein Leben zu Ende."

Ein Arzt, der Breno am Morgen nach der Tatnacht im Krankenhaus behandelt hatte, beschrieb die Verfassung des Profifußballers als "niedergeschlagen" und "gedrückt". Verwirrt sei er aber am Morgen nach dem Brand nicht mehr gewesen.

Nach Einschätzung des Brandsachverständigen beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA), Johann Schmuderer, muss das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig entstanden sein. Durch eine Entzündung an einer einzigen Stelle könne eine derart starke Zerstörung des Hauses nicht erklärt werden, so Schmuderer. Von den Ermittlern seien aber keinerlei Rückstände von möglicherweise verwendeten Brandbeschleunigern gefunden worden. Der LKA-Experte betonte, das Feuer könne auch durch "kleine Flammen an verschiedenen Stellen" entstanden sein. Noch während der Löscharbeiten soll Breno an Feuerwehrleute drei Feuerzeuge übergeben haben, mit der Bitte, diese wegzuwerfen.

Zuvor hatte der Brandsachverständige Peter Schildhauer auch einen technischen Defekt nicht ausgeschlossen. Dem Gutachter und Chemiker Stefan Tewinkel zufolge ist ein technischer Defekt hingegen äußerst unwahrscheinlich. Die Untersuchung sämtlicher Steckdosen im Haus hätte keinen Hinweis darauf ergeben, außerdem habe es im Anwesen ein Schutzsystem gegeben, das Brände durch elektrische Geräte verhindern sollte.

Breno hat sich bislang vor Gericht nicht zu den Vorwürfen der schweren Brandstiftung, sondern lediglich zu seinem Werdegang geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im September 2011 an mehreren Stellen der gemieteten Villa Feuer gelegt und dabei Brandbeschleuniger benutzt zu haben. Verletzt wurde niemand. Bei dem Feuer entstand ein Millionenschaden. Als Motiv gilt Frust über eine langwierige Knieverletzung.

Brenos Anwalt teilte am Mittwoch dem Gericht mit, sein Mandant wohne mit seiner Familie inzwischen im Haus seines Freundes Rafinha. Bei einer Verurteilung drohen dem Brasilianer bis zu 15 Jahre Haft und das Ende seiner Karriere. Sein Vertrag mit dem FC Bayern läuft Ende Juni aus; ein Angebot von Lazio Rom soll für den Fall eines Freispruchs vorliegen.

ulz/dapd/dpa

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