Geständnis in London: Frustrierter Marinesoldat wollte Militärgeheimnisse verraten

Das britische Verteidigungsministerium stuft das Material als "top secret" ein: Ein Soldat der Royal Navy hat zugegeben, Verschlüsselungsdaten gesammelt zu haben. Er wollte die Informationen weitergeben - geriet aber an die falschen Kontaktleute.

Britisches Atom-U-Boot: Zur Großansicht
DPA/BRITISH MINISTRY OF DEFENCE

Britisches Atom-U-Boot:

London - Ein britischer Marinesoldat hat gestanden, sich mit Kontaktleuten getroffen zu haben, um militärische Geheimnisse preiszugeben. Der Bootsmann gab außerdem zu, geheime Codierungsprogramme gesammelt zu haben. Er habe sich mit zwei Personen getroffen, von denen er glaubte, sie seien Agenten des russischen Geheimdienstes. Tatsächlich handelte es sich um Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes.

Der Soldat war im März in der Hafenstadt Plymouth verhaftet worden. Ihm wurde vorgeworfen, Informationen gesammelt zu haben, die "direkt oder indirekt nützlich für den Feind" sein könnten, hieß es. Das Material habe dazu gedient, geheime Informationen zu verschlüsseln. Unter anderem habe er Passwörter gestohlen. Ein Vertreter der Anklage sagte, das Verteidigungsministerium stufe das Material als "top secret" ein.

Mit seinem Handeln habe der 30-Jährige aus Nordirland den "Official Secrets Act" verletzt, hieß es. Der Soldat gab zu, mit seinen Kontaktleuten über die Bewegungen atomgetriebener U-Boote gesprochen zu haben, etwa über Auslauftermine.

Laut "Guardian" führten monatelange verdeckte Ermittlungen zur Verhaftung des Mannes. Seine Vorgesetzten waren wegen seines auffälligen Verhaltens stutzig geworden. Unter anderem soll er ausgiebig getwittert haben: Laut "Telegraph" soll er bis zu 40 Tweets pro Tag abgesetzt haben - auch Kurzbotschaften, die sich auf seine Arbeit bezogen: "Iran bombardieren? Macht mir nichts, aber ich werde wahrscheinlich in dem U-Boot sein, das die Raketen abfeuert."

Der Angeklagte war laut "Guardian" auf der HMS Vigilant stationiert, einem mit Atomwaffen bestückten U-Boot. Der Zeitung zufolge lag der Grund für den versuchten Geheimnisverrat im Frust des Soldaten. Er war bei Beförderungen nicht berücksichtigt worden und habe sich rächen wollen. Geld oder ideologische Motive hätten keine Rolle gespielt.

Das Urteil soll am 12. Dezember fallen.

ulz/AP/Reuters

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