Bronzepferde von Josef Thorak Fahnder finden verschollene Nazi-Kunst

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchen Kunstfahnder im ganzen Bundesgebiet Wohnungen von sieben Beschuldigten. In Bad Dürkheim gelang ihnen ein spektakulärer Fund.

Pferdeskulpturen von Josef Thorak (Archiv): Nach vielen Jahren wiederentdeckt
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Pferdeskulpturen von Josef Thorak (Archiv): Nach vielen Jahren wiederentdeckt

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Kunstfahnder des Berliner Landeskriminalamts haben etliche Kunstwerke bekannter NS-Künstler beschlagnahmt, die seit Jahrzehnten als verschollen galten. Seit dem frühen Morgen durchsuchten die Beamten in einer Großaktion Wohnungen und Häuser in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin.

Laut einer Mitteilung wurden acht Tatverdächtige im Alter zwischen 64 und 79 Jahren ermittelt. Sie werden der Hehlerei verdächtigt.

Die Polizei stieß bei ihren Durchsuchungen bei einem Unternehmer in Bad Dürkheim auf zwei riesige Bronzepferde, die der NS-Starbildhauer Josef Thorak 1939 für die Neue Reichskanzlei schuf, und auf zwei Frauenskulpturen des Bildhauers Fritz Klimsch, die ebenfalls im Garten von Hitlers Regierungszentrale standen.

Die vier Skulpturen wurden zuletzt 1988 auf dem Sportplatz einer sowjetischen Kaserne in Eberswalde bei Berlin gesichtet. Seitdem sind sie verschwunden. Zudem fanden die Beamten ein Großrelief von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker, das für den Triumphbogen der geplanten Welthauptstadt Germania vorgesehen war. Auch dieses Kunstwerk war seit Jahrzehnten verschwunden.

Die Kunstwerke sollen in den kommenden Tagen abtransportiert und zunächst auf einem Polizeigelände gesichert werden. Über ihre Zukunft müsse der Bund als Eigentümer entscheiden, sagte ein Polizeisprecher.

Die heutige Durchsuchungsaktion ist der vorläufige Höhepunkt monatelanger Ermittlungen der Berliner Kunstfahnder in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Kunstdetektiv Arthur Brand. Einige der Skulpturen werden seit etwa zwei Jahren auf dem grauen Kunstmarkt angeboten.



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