Terrorserie in Frankreich Bruder des Toulouse-Attentäters angeklagt

Bei den Ermittlungen rund um die Mordanschläge von Toulouse richtet sich der Fokus immer stärker auf die Rolle des Bruders von Mohammed Merah. Der 29-jährige Abdelkader Merah wurde nun unter anderem wegen Komplizenschaft vorläufig angeklagt.

Attentäter Mohammed Merah: Bruder Abdelkader gab an, "stolz" auf ihn zu sein
AFP/ France 2

Attentäter Mohammed Merah: Bruder Abdelkader gab an, "stolz" auf ihn zu sein


Paris/Toulouse - Die französische Staatsanwaltschaft hat vorläufige Anklage wegen Mordes und Terrorismus gegen den Bruder des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse und Montauban erhoben. Ein Vertreter des Büros der Staatsanwaltschaft sagte, die vorläufige Anklage sei Abdelkader Merah am Sonntag zugegangen. Er wird der Beihilfe zum Mord in mehreren Fällen sowie der Komplizenschaft bei der Vorbereitung von Terrorakten und Diebstahl verdächtigt.

Sein Bruder Mohammed Merah soll zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie vor einer jüdischen Schule einen Rabbiner und drei jüdische Kinder erschossen haben. Er wurde am Donnerstag bei einem Einsatz in seinem Haus von der Polizei erschossen.

Abdelkader Merah, 29, hat nach Angaben der Polizei zugegeben, beim Diebstahl des Motorrollers zugegen gewesen zu sein, mit dem sein 23-jähriger Bruder Mohammed Merah unterwegs war, als er sieben Menschen erschoss. Laut Polizei zeigte sich Merah bei seiner Vernehmung am Samstag "stolz" angesichts der Taten seines Bruders, gab aber an, von dessen Angriffsplänen nichts gewusst zu haben.

Abdelkader Merah war am Mittwoch zusammen mit seiner Lebensgefährtin in ihrem Haus südlich von Toulouse festgenommen worden und befand sich seitdem in Polizeigewahrsam. Am Sonntagmorgen lief die bei Terrorfällen gültige 96-stündige Frist ab, nach der Verdächtige angeklagt oder freigelassen werden müssen. Zwei Stunden vor Ablauf der Frist wurde die Lebensgefährtin aus der Haft entlassen.

Trauermärsche in Paris und Toulouse

In Paris haben am Sonntag Tausende Menschen an einem Schweigemarsch für Einheit und Toleranz aller Religionen und Kulturen teilgenommen und der Opfer von Toulouse und Montauban gedacht. Dutzende Demonstranten trugen eine riesige französische Nationalflagge bei dem Marsch vom Place de la Bastille. Auch der Bürgermeister von Paris und andere französische Prominente nahmen an dem Schweigemarsch teil, zu dem Organisationen, die Rassismus und Antisemitismus bekämpfen, aufgerufen haben.

In Toulouse fanden sich am Sonntag rund 6000 Menschen zu einem religionsübergreifenden Schweigemarsch zusammen. Das Gedenken fand im Stadtteil Roseraie statt, wo die drei jüdischen Kinder und der Rabbiner getötet worden waren. Viele Teilnehmer des Marschs trugen weiße Rosen in den Händen und kleine Aufkleber in Form der französischen Flagge auf ihrer Kleidung. An der Veranstaltung nahmen unter anderem der sozialistische Bürgermeister von Toulouse, Pierre Cohen, sowie Vertreter jüdischer und muslimischer Gemeinden teil.

suc/dpa/dapd/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.