Schadhafte Brustimplantate Gericht verurteilt TÜV zu 60 Millionen Euro Schadensersatz

Im Rechtsstreit um schadhafte Brustimplantate hat der TÜV Rheinland eine Niederlage kassiert: 20.000 Frauen sollen laut einem französischen Gericht Schadensersatz bekommen. Der Verein kündigt Berufung an.

Brustimplantate der Firma PIP
DPA

Brustimplantate der Firma PIP


Der TÜV Rheinland ist in Frankreich wegen schadhafter Brustimplantate zur Zahlung von 60 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt worden. Das Handelsgericht im südfranzösischen Toulon entschied, jede der 20.000 Klägerinnen solle 3000 Euro erhalten. Der TÜV hatte fehlerhafte Implantate des französischen Herstellers PIP zertifiziert.

Der TÜV kündigte Berufung an und wies darauf hin, dass eine ähnliche Entscheidung des gleichen Gerichts im Sommer 2015 vom Berufungsgericht aufgehoben wurde.

Der inzwischen insolvente Hersteller PIP hatte jahrelang billiges Industriesilikon für seine Implantate verwendet. Andere Gerichte hatten jedoch mehrfach entschieden, auch der TÜV sei vom Hersteller getäuscht worden.

sms/dpa/AFP

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hanfiey 20.01.2017
1. Nichts neues
Wie bei der Schummelei so üblich, alles nur Opfer. Die sollen froh sein so billig wegzukommen. Der Kontrolleur hat seine Arbeit nicht gemacht und sich betrügen lassen. Wenn ich für etwas bürge mit meinem "Siegel bin ich fällig.
allessuper 20.01.2017
2. tja.
und wer bezahlt für den TÜV? Und wozu? Fragen über Fragen. Irgendwie sind alle unsere Werte gerade am Wackeln.
motul 20.01.2017
3. richtig so!
Wenn der TÜV als Dienstleister "sein Zeichen", welches ein Qualitätsmerkmal darstellt, hergibt und ein Mißbrauch möglich ist, dann ist auch der TÜV dran. Er hat es selber in der Hand, wie er "den Prüfling" prüfen will und kann dies vertraglich je nach Risiko festlegen. Je nach Geschäftsrisiko sind eben andere Prüfungen notwendig um das vergebene Siegel/Zertifikat auch dauerhaft zu prüfen. (unangemeldete Stichproben etc...) Ich bin selbst in meiner Tätigkeit mit "Zertifizierungen" beschäftigt und kann nur dazu raten, jeden Konsumenten zu prüfen "was das Siegel wirklch aussagt"... und ggf. nachzufragen...denn wir leben in der Dienstleistungsgesellschaft und die TÜV´s sind gewinnorientiert ausgerichtete Firmen. Leider schreibt der Artikel nichts bzgl. Forderungen an der Hersteller... ggf. sollte man die "Inverkehrbringer" von Produkten, welche eine "jahr(zehnte)elange Garantie" brauchen, dazu nötigen Rückstände zu bilden/Versicherungen abzuschließen, welche auch bei Konkurs des Inverkehrbringers noch Geschädigte entschädigen... ein frommer Wunsch in der aktuellen Lobbyismus-Politik, welche weltweit betrieben wird und die Konsumenten "ausnimmt".
Bundestrainer 20.01.2017
4. Erfolgsmodelle
Die Geschäftsmodelle des TÜV und führender deutscher Top-Manager ähneln sich sehr: beim Kassieren immer vorne mit dabei, wenn's aber schief geht, von Nix was wissen und auf gar keinen Fall verantwortlich sein.
herrenschirm 20.01.2017
5. Wirklich nichts Neues
Wenn es früher um Hauptuntersuchungen an Fahrzeugen ging, war der Monopolist TÜV gnadenlos. Denn jeder, der die Untersuchung nicht schaffte, brachte weiterhin bares Geld im zweiten oder dritten Versuch. Man wagte nicht gegen die Willkür aufzumucken. Nach der Abschaffung des Monopols wurden die Prüfer plötzlich zu Ar...kriechern. Nicht viel anders war es in der Industrie. Bei Hochdruckdampfkesseln wurde mit der Taschenlampe 10 m entfernte Roststellen "begutachtet". In das Sammelrohr mit 800mm Durchmesser ist keiner reingekrabbelt. Aber nachher die Hand für "kleine" Geschenke aufhalten ging immer. Selbst erlebt. Für mich steht der TÜV bis heute nicht für Seriosität, sondern für Vetterleswirtschaft, Korruption und Gängelei. Ich würden denen die 60 Mio gönnen!
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