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Brutaler "Trendsport" in den USA: Teenager machen Jagd auf Obdachlose

Alarmierende Zahlen aus den USA: Immer mehr gelangweilte Teenager, die zuvor niemals straffällig geworden sind, lassen ihre Frustrationen an den Schwächsten aus. Sie misshandeln, demütigen und töten Obdachlose mit unvorstellbarer Brutalität.

Milwaukee - "Es hat als Spiel angefangen", sagt Nathan M. in einem Interview des Nachrichtensenders CNN. Er habe einfach nur Hasch rauchen und etwas trinken wollen, so der 15-Jährige. Zunächst hätten er und seine Freunde Luis O., 16, und Andrew I., 17, gemeinsam mit dem Obdachlosen Rex Baum ein paar Bier getrunken. "Keine große Sache", sagt der Teenager.

Eine Überwachungskamera filmt eine Attacke auf Obdachlosen: Zahl der Übergriffe steigt
AP

Eine Überwachungskamera filmt eine Attacke auf Obdachlosen: Zahl der Übergriffe steigt

Irgendwann geriet das Zechgelage außer Kontrolle. Zunächst hätten sie Stöcke und Laub nach dem Obdachlosen geworfen, kurze Zeit später habe Luis angefangen, Baum zu schlagen. "Zuerst dachten wir, das wäre nur Spaß", so Nathan, "irgendwann haben wir mitgemacht".

Sie stießen und traten den Wehrlosen, schlugen mit Felsbrocken, Ziegelsteinen und einem Baseballschläger auf ihn ein, schleuderten einen Grill auf den Mann. Der 17-Jährige schmierte seine Exkremente in das Gesicht des Opfers. Anschließend versetzte er Baum einen Schnitt mit dem Messer, "um zu sehen, ob er noch lebt".

Als Baum sich nicht mehr regte, zerstörten die Teenager das Zeltlager des Obdachlosen und versteckten den Toten unter einer Plastikplane - in der Hoffnung, "dass die Tiere ihn fressen". Anschließend schlenderten sie auf einen Snack zum nächstgelegenen McDonald's-Restaurant. Später hätten sie sich gefragt: "Was haben wir gerade getan?", so Moore, "aber es gibt keine rationale Erklärung dafür."

Viermal mehr Attacken auf Obdachlose als 2000

Der Gewaltexzess ereignete sich 2004, die drei Jugendlichen wurden gefasst und sitzen lange Haftstrafen ab. Doch die brutale Attacke auf einen Obdachlosen war kein Einzelfall in den USA, 2006 wurden mehr Angriffe gezählt als in den acht Jahren zuvor. Eine Untersuchung der Obdachlosenvereinigung "National Coalition of the Homeless" listet 122 Übergriffe auf, etwa viermal so viele wie im Jahr 2000. 20 Opfer kamen dabei ums Leben, der überwiegende Teil der Täter war jünger als 20 Jahre.

"Es ist verstörend zu wissen, dass junge Menschen auch dann noch zutreten, wenn jemand schon am Boden liegt", sagte Michael Stoops, der Vorsitzende der Obdachlosenvereinigung. "Wir wissen, dass dies nicht auf jeden Teenager zutrifft", so Stoops bei CNN, "aber manche betrachten das einfach als amüsant".

Gruppendruck und Alkohol führen zu völliger Enthemmung

Offenbar spielt Gruppendruck bei den jugendlichen Tätern eine große Rolle; ist das Gewaltszenario erst einmal im Gange, treiben sich die häufig alkoholisierten Täter gegenseitig bis zur völligen Enthemmung. Die "National Coalition of the Homeless" listet zahlreiche Beispiele für Übergriffe in den USA auf:

  • In Lauderhill haben sich vier Jugendliche dabei gefilmt, wie sie einen Obdachlosen schlagen und bestehlen.
  • Im US-Bundesstaat Oregon wurde ein ehemaliger Student angeklagt, aus seiner Wohnung heraus auf einen Obdachlosen geschossen und ihn verletzt zu haben.
  • In Texas wurde ein 15-Jähriger verhaftet, der auf Video die Misshandlung eines Obdachlosen angekündigt hat, bevor er auf dem Wehrlosen herumsprang.
  • In Alabama haben sechs Jugendliche, der jüngste unter ihnen erst 13 Jahre alt, einen Obdachlosen mit Golfschlägern malträtiert.
  • In Florida wurden drei Jugendliche am 12. Januar 2006 von einer Überwachungskamera dabei gefilmt, wie sie einen hilflosen Obdachlosen mit Baseballschlägern verprügeln. Das Opfer hat die Attacke überlebt. In derselben Nacht sollen die drei Teenager jedoch zwei weitere Männer angegriffen haben. Der 45-jährige Obdachlose Norris Gaynor wurde dabei auf einer Parkbank schlafend überrascht. Die Jugendlichen schlugen mit ihren Baseballschlägern auf den Hilflosen ein. Als der sterbende Mann reglos am Boden lag, beschoss einer der Täter ihn mit gelben Farbpatronen. Gaynor wurde derart massiv misshandelt, dass sein Vater den Leichnam nur schwer identifizieren konnte. Nach Angaben von CNN soll einer der Täter nach den Schlägen auf den Wehrlosen gesagt haben, es habe sich angefühlt "wie Abschläge beim Golf".

Meist stammen die Täter aus Mittelschichtfamilien und sind nie vorher straffällig geworden. Die Eltern ahnen in der Regel nicht das Geringste von den Freizeitaktivitäten ihrer Kinder. Immer häufiger dokumentieren Teenager ihre Attacken mit Handys oder Kameras. Einige sollen sich von der Videoreihe "Bumfights" inspiriert gefühlt haben, berichtet CNN. Die Filme zeigen Obdachlose, die für ein paar Dollar vor der Kamera aufeinander losgehen. Gelegentlich führen Täter auch blutrünstige Computerspiele als Vorbild für die Misshandlungen an.

jto

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