Forschungsprojekt Bundesanwaltschaft lässt eigene Geschichte auf NS-Belastungen überprüfen

Die Bundesanwaltschaft will mehr über den Einfluss von Mitarbeitern mit NS-Vergangenheit in den ersten Jahren ihres Bestehens erfahren. Dazu erhalten Wissenschaftler Einblick in die Personalakten.

Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe
DPA

Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe


Die Bundesanwaltschaft lässt personelle Belastungen aus der Zeit des Nationalsozialismus in den Anfangsjahren der Behörde untersuchen. Wissenschaftler seien damit beauftragt worden, die Personalakten von Mitarbeitern aus der Zeit der Anfänge nach dem Zweiten Weltkriegs bis 1974 auszuwerten, teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Dabei solle es vor allem um die Frage gehen, wie viele "nationalsozialistisch belastete Mitarbeiter" dort tätig waren.

Geklärt werden soll demnach auch, an welchen Stellen sie tätig waren und "welchen Einfluss dies gegebenenfalls auf die Arbeit der Bundesanwaltschaft hatte". Das von einem Juristen und einem Historiker der Universitäten Nürnberg und Eichstätt-Ingolstadt betriebene Projekt soll bis 2020 laufen.

Prominenter Fall

Zahlreiche Bundesministerien und Bundesbehörden begannen in den vergangenen Jahren mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Rolle in der NS-Zeit und der Erforschung personeller Kontinuitäten in der Nachkriegszeit. Dazu zählen unter anderem das Außen-, Innen-, Finanz-, Arbeits- und Justizministerium sowie das Bundeskanzleramt, das Bundeskriminalamt und der BND.

Ein hochrangiger Fall ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft bereits bekannt. Der ehemalige Generalbundesanwalt Wolfgang Fränkel wurde 1962 nur drei Monate nach seinem Amtsantritt in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Es war bekannt geworden, dass er in der Nazizeit bei der sogenannten Oberreichsanwaltschaft gearbeitet hatte. In der Funktion war er an Todesurteilen beteiligt.

wit/AFP/dpa



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