Zwickauer Zelle Mutmaßliche NSU-Unterstützer kommen frei

Carsten S. soll die Zwickauer Terrorzelle mit einer Waffe versorgt, Matthias D. dem Trio seine Wohnung überlassen haben: Nun hat die Bundesanwaltschaft angeordnet, die Männer aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Eine längere Inhaftierung sei nicht mehr gerechtfertigt.

Carsten S. bei seiner Festnahme Anfang Februar 2012: Freilassung aus Untersuchungshaft
dapd

Carsten S. bei seiner Festnahme Anfang Februar 2012: Freilassung aus Untersuchungshaft


Karlsruhe - Es war eine simple Bestellung, die Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos 1999 aus dem Untergrund bei ihren Unterstützern aufgaben - und die Carsten S. erfüllte. Eine Pistole des Typs Ceska 83, Kaliber 7,65 mm Browning. Mit ihr wurden in den folgenden sieben Jahren neun Einwanderer ermordet.

Gefunden wurde die Waffe im November des vergangenen Jahres im Schutt der zerstörten Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße, dem letzten Unterschlupf der Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Angemietet wurde sie offenbar von einem weiteren mutmaßlichen Helfer des Trios, von Matthias D. Über die wahre Identität seiner Untermieter habe D. "zu keinem Zeitpunkt etwas gewusst", sagt sein Rechtsanwalt Jörg-Klaus Baumgart. D. sei "getäuscht" worden. Die Ermittler halten D. dagegen für tief verstrickt.

Beide Männer, Carsten S. und Matthias D., saßen in den vergangenen Monaten in Untersuchungshaft, am Dienstag hat die Bundesanwaltschaft nun ihre Freilassung beantragt. Die Haftbefehle gegen beide Männer seien aufgehoben worden, hieß es am Dienstag aus Karlsruhe.

Den Angaben zufolge ist Carsten S. zwar weiter dringend verdächtig, den mutmaßlichen NSU-Mitgliedern gemeinsam mit dem Beschuldigten Ralf W. die Tatwaffe beschafft und sich damit der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht zu haben. Er habe sich aber umfassend zum Tatvorwurf geäußert und entscheidend zur Tataufklärung beigetragen. Zudem habe sich Carsten S., der seit Anfang Februar 2012 in Untersuchungshaft sitzt, glaubhaft von rechtsradikalem Gedankengut abgewandt. Aufgrund seiner "festen sozialen Bindungen" bestehe deshalb keine Fluchtgefahr mehr.

Matthias D. befindet sich seit dem 11. Dezember 2011 in Untersuchungshaft. Ihm wird eine Unterstützung der NSU in zwei Fällen vorgeworfen. Die Verdachtsmomente gegen ihn hätten sich jedoch als nicht stichhaltig genug erwiesen, heißt es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft.

Trotz Freilassung drohen Anklagen

Am vergangenen Freitag hatte der Bundesgerichtshof (BGH) bereits den Haftbefehl gegen Holger G., aufgehoben. Es gebe keinen dringenden Tatverdacht, dass er den NSU unterstützt habe, entschied der Strafsenat. Alle drei mutmaßlichen Unterstützer müssen jedoch mit einer Anklage rechnen.

Das Neonazi-Trio Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe war im November 2011 aufgeflogen. Der Generalbundesanwalt macht die Zwickauer Terrorzelle für neun Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 14 Banküberfälle verantwortlich.

aar/dpa/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
prontissimo 29.05.2012
1. sollten Sie 3 mal besoffen im Auto erwischt werden,
Zitat von sysopdapdCarsten S. soll die Zwickauer Terrorzelle mit einer Waffe versorgt, Matthias D. dem Trio seine Wohnung überlassen haben: Nun hat die Bundesanwaltschaft angeordnet, die Männer aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Eine längere Inhaftierung sei nicht mehr gerechtfertigt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,835803,00.html
dürften Sie kaum auf freiem Fusse bleiben. Was ist schon das bischen Beihilfe zum Mord ?? Ach ja, für einen Postler gab es ja auch die Lex Zumwinkel.
jensimann 29.05.2012
2. Nach Zweiklassenmedizin jetzt auch Zweiklassenstrafrecht
Das muss man sich mal reinziehen. Alle drei inhaftierten NSU-Unterstützer kommen frei...! Zu Zeiten der RAF wurden Unterstützer für bedeutend weniger in reinen Indizienverfahren zu oftmals lebenslangen Haftstrafen aufgerufen. Aber die RAF und ihre Fans haben ja auch zum Sturz des kapitalistischen Systems Aufgerufen, während es bei der braunen Mörderbande ja lediglich um ein paar Opfer mit Migrationshintergrund handelte und zu keiner Zeit ein Politiker oder Banker oder Promi in Gefahr war. schnelle und bequeme Lösung heißt: ein paar geistig verwirrte Einzeltäter - Deutschland hat keinen braunen Sumpf!
glen13 29.05.2012
3.
Zitat von prontissimodürften Sie kaum auf freiem Fusse bleiben. Was ist schon das bischen Beihilfe zum Mord ?? Ach ja, für einen Postler gab es ja auch die Lex Zumwinkel.
Gut Sie haben Ihrem Frust Lauf gelassen. Was wollen Sie? Todesstrafe? Lebenslänglich? Die beiden sind juristisch einwandfrei behandelt worden, der eine hat sich schon lange von dem ganzen rechtsradikalen Mist losgesagt und gegen den anderen gibt's keine Beweise. Im Iran wären die Gesetze natürlich anders. Wollen Sie die Gesetzgebung des Irans bei uns?
Rubeanus 29.05.2012
4.
Also hinsichtlich "Matthias D." gibt es doch nur zwei Alternativen: Entweder er wusste, wer seine Untermieter waren, wollte deren Straftaten fördern und die Generalbundesanwaltschaft kann das auch beweisen. Dann wäre er ein Komplize, den man unmöglich jetzt aus der U-Haft entlassen darf. Oder er wusste nicht, wer seine Untermieter waren. In diesem Falle wäre er unschuldig, denn den Tatbestand der Untermiete kennt das deutsche Strafrecht meines Wissens nicht.
Ragnarrök 29.05.2012
5. lesen!
Zitat von jensimannDas muss man sich mal reinziehen. Alle drei inhaftierten NSU-Unterstützer kommen frei...! Zu Zeiten der RAF wurden Unterstützer für bedeutend weniger in reinen Indizienverfahren zu oftmals lebenslangen Haftstrafen aufgerufen. Aber die RAF und ihre Fans haben ja auch zum Sturz des kapitalistischen Systems Aufgerufen, während es bei der braunen Mörderbande ja lediglich um ein paar Opfer mit Migrationshintergrund handelte und zu keiner Zeit ein Politiker oder Banker oder Promi in Gefahr war. schnelle und bequeme Lösung heißt: ein paar geistig verwirrte Einzeltäter - Deutschland hat keinen braunen Sumpf!
Aus der *Untersuchungs*haft. Sind Sie sich sicher? Es ist lange her und ich meine mich erinnern zu können das Verurteilungen bei *Morden* der RAF sich auf Indizien stützten. Ansonsten hätte ich gerne 1-2 Beispiele mit Quelle (links). Das die Männer aus der U-Haft freigekommen sind heißt noch lange nicht das sie nicht verurteilt werden. r.
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