Prozess um zerstörte Geldscheine Seniorin zerreißt 18.500 Euro - und kriegt sie wieder

Eine alte Frau hat Angst vor Einbrechern und zerriss ein Vermögen aus Banknoten. Jetzt entschied der Hessische Verwaltungsgerichtshof: Das Geld ist nicht verloren.


Eine 89-jährige Frau aus dem bayerischen Waldkraiburg bekommt Geldscheine im Wert von 18.500 Euro, die sie aus Angst vor Einbrechern zerrissen hat, von der Bundesbank erstattet. Das entschied der Hessische Verwaltungsgerichtshof.

Wie der Anwalt der Frau mitteilte, urteilten die Richter, die Aktion der Frau sei gänzlich ungewöhnlich und entspreche nicht dem Verhalten eines geistig gesunden Menschen. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Die Seniorin hatte die 37 Scheine zu je 500 Euro in kleine Schnipsel gerissen und in einem Gefrierbeutel im Eisfach versteckt. Eigentlich wird laut einem Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld bei vorsätzlicher Zerstörung nicht ersetzt. Die Enkelin der alten Frau hatte als Betreuerin das Verfahren angestrengt.

Bundesbank will Rechtssicherheit

Die Vertreter der Bundesbank hatten erklärt, es bestehe aus ihrer Sicht kein finanzielles Interesse. Ihnen gehe es darum, Sicherheit zu erhalten, wie künftig mit solchen Fällen umgegangen werden solle. "Das ist für alle Zentralbanken in Europa von Interesse, die den EZB-Beschluss umsetzen", sagte ein Bundesbank-Jurist. Denn ähnlich seien Fälle, bei denen Geld in betrunkenem Zustand zerstört werde.

Um zerstörte Geldscheine ersetzt zu bekommen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So müsse im Normalfall mehr als 50 Prozent einer Banknote noch vorhanden sein, sagte Rainer Elm vom Analysezentrum der Bundesbank in Mainz. "Kleinere Teile ersetzen wir in der Regel nicht."

Die Bundesbank hat 2015 etwa 30.000 Anträge zur Erstattung von beschädigtem Geld bekommen. Insgesamt wurden rund 44 Millionen Euro erstattet. "Die Erstattungsquote lag bei über 90 Prozent", sagte Elm.

Fälle von aufgefundenen Geldschnipseln erregen immer wieder Aufsehen. Ende 2015 etwa fand die Polizei im Zimmer einer verstorbenen Seniorin in Wien einen Haufen säuberlich zerschnittener Geldscheine - insgesamt 950.000 Euro. Die Österreichische Nationalbank ersetzte das Geld.

sms/dpa

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insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
darkmattenergy 24.03.2016
1. Die einfachste - keinerlei wertvoll gewundenen Juristen-Verstand belastende - Lösung wäre...
...den Wert als echt erkannter aber zerstörter Scheine oder Münzen abzüglich der Summe aus den Kosten für die Untersuchung auf Echtheit und dem Herstellungswert der Zahlungsmittel zu erstatten.
R.Ts 24.03.2016
2. Troll - Trick für unendlich Geld:
Ersetzt wird ab 50% aufwärts. Man nehme 2 Scheine. Schneide jeweils das entgegengesetzte Drittel ab. Dann hat man 2 Scheine zu 2/3 und einen "neuen" Schein, dem halt das mittlere Drittel fehlt. Ersetzt werden somit 3 für zwei Scheine. Rinse and Repeat for infinite money :-)
crossbow17 24.03.2016
3. In diesem speziellen Fall ist das Urteil...
...richtig. Die alte Dame ist offensichtlich verwirrt und konnte die Tragweite ihres Tuns nicht richtig einschätzen.
Pfaffenwinkel 24.03.2016
4. Es ist gut,
dass der alten Dame das Geld ersetzt wird. Ich hoffe, dass sie noch etwas davon haben wird.
m.m.s. 24.03.2016
5. Bundesbank krank?
Wie kann eine Bank mit Milliardenvermögen und bestbezahlten Behördenmitarbeitern überhaupt in so einem Fall eine Pflegerin zwingen jahrelang zu prozessieren. Nein, es geht hier nur darum zu beweisen wie wichtig die Arbeitsplätze in dieser Anstalt sind, die von unser aller Arbeit finanziert werden. Sollen wir Zahler uns das noch länger gefallen lassen?
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