800 Beamte im Einsatz Bundespolizei geht bei Großrazzia gegen Schleuser vor

Hunderte Bundespolizisten durchsuchten Wohnungen und Büros: In Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sind Beamte gegen einen mutmaßlichen Schleuserring vorgegangen.


Mehrere Tatverdächtige sollen ausländische Staatsbürger nach Deutschland geschleust und illegal beschäftigt haben: Mit einer großangelegten Razzia ist die Bundespolizei in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und der Altmark gegen einen mutmaßlichen Schleuserring vorgegangen.

Rund 800 Beamte haben seit Montagabend 21 Durchsuchungsbefehle vollstreckt, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Pirna. Mehrere Tatverdächtige sollen überwiegend moldauische Staatsbürger nach Deutschland geschleust und illegal beschäftigt haben. Einige von ihnen sollen außerdem Kontakte in die Reichsbürgerszene in der Altmark haben. Zuerst hatten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet. Laut Polizei waren die Ermittlungen durch aufgeflogene Schleusungen auf den Autobahnen A4 und A17 in Sachsen ins Rollen gekommen.

"Die Ermittlungen richten sich in Sachsen-Anhalt auch gegen Personen, welche offenkundig in der örtlichen sogenannten Reichbürgerszene verankert sind", sagte der Sprecher der Bundespolizei. Eine Sprecherin der in dem Verfahren federführenden Staatsanwaltschaft Lüneburg sagte, die Ermittlungen wiesen darauf hin, "dass es Bezüge von einzelnen Beschuldigten zur Reichsbürgerszene gibt, diese Verbindungen stehen aber derzeit eindeutig nicht im Fokus".

Insgesamt wird laut Staatsanwaltschaft gegen 13 Personen ermittelt. Drei Hauptbeschuldigte seien in Hamburg vorläufig festgenommen worden. Derzeit werde geprüft, ob Haftbefehle beantragt werden, hieß es am Vormittag. Die drei Männer im Alter zwischen 30 und 43 Jahren waren schon am Montag gefasst worden.

16 Wohnungen und Büros durchsucht

Es handele sich um zwei Deutsche und einen Russen, sagte der Polizeisprecher. Sie sollen bandenmäßig im großen Stil Personen geschleust, illegal beschäftigt und für sie Dokumente gefälscht zu haben. Am Dienstag soll entschieden werden, ob gegen die Männer Haftbefehl erlassen wird.

Insgesamt durchsuchten die Beamten mit Hilfe von Spezialkräften 16 Wohnungen und Geschäftsräume im Raum Hamburg, ein Objekt in Bremen, eins im niedersächsischen Sittensen und drei in der Altmark. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler umfangreiches Beweismittel sicher: Ausweisdokumente, Handys, Laptops und Unterlagen. Auch geringe Drogenmengen, ein Schlagring, ein Elektroschocker und scharfe Munition gehörten dazu. Zudem wurden ein Bargeldbetrag in fünfstelliger Höhe und Gold sichergestellt.

Bei der Aktion seien auch zahlreiche illegale Migranten entdeckt worden, sagte der Polizeisprecher. In Hamburg und Bremen durchsuchten die Bundespolizisten mehrere Häuser, in denen die eingeschleusten Moldauer untergebracht waren. Dabei wurden laut Polizei zunächst insgesamt 49 Menschen angetroffen, von denen sich mindestens 42 illegal in Deutschland aufhielten.

Die illegal beschäftigten Migranten hatten zumeist gefälschte rumänische Personalausweise. "Unser Verfahren richtet sich nur gegen die mutmaßlichen Schleuser, nicht gegen die Geschleusten", sagte die Sprecherin der Lüneburger Staatsanwaltschaft. "Die Betroffenen wurden mit Niedriglöhnen und hohen Mieten ausgebeutet", sagte der Polizeisprecher in Pirna.

Im Video: Die Methoden der Schleuserbanden

SPIEGEL TV

ulz/dpa/AFP



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